Ausland im Sinne des Umsatzsteuergesetzes

Bei Auslandssachverhalten stellt sich immer die Frage, wo besteuert wird und wer die Steuer an welchen Staat zu leisten hat. Hierbei unterscheidet das Umsatzsteuerrecht zwischen drei Regionen:

  1. Inland
  2. Gemeinschaftsgebiet
  3. Drittland

Alle Gebiete, die nicht zum Inland gehören, gehören zum Ausland (=Gemeinschaftsgebiet + Drittland). Die besonderen Gebiete Helgoland und Büsingen sind allerdings nicht Inland im Sinne des Umsatzsteuerrechts. Damit werden diese Gebiete wie Drittland behandelt.

Die Frage, in welchem Staat tatsächlich besteuert wird und wer die Steuer zu leisten hat, hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere

  1. dem Ort an sich (Inland, Gemeinschaftsgebiet oder Drittland),
  2. welche Leistung erbracht oder welche Ware geliefert wird und
  3. ob der Abnehmer eine Privatperson oder ein Unternehmer ist.

Hierzu drei Beispiele:

1. Der deutsche Unternehmer Schmidt liefert einen Tisch an den französischen Unternehmer Petit. Petit gibt seine USt-ID an.
Für Schmidt ist die Lieferung des Tischs nun steuerfrei. Er muss weder in Deutschland noch in Frankreich Umsatzsteuer bezahlen. Petit dagegen muss in Frankreich für diese Lieferung des Tischs die französische Umsatzsteuer abführen und kann gleichzeitig die Vorsteuer wieder abziehen.

2. Schmidt liefert einen Tisch an eine Privatperson nach Frankreich.
In diesem Fall muss Schmidt diese Lieferung in Deutschland versteuern. Der Tisch wird mit der deutschen Umsatzsteuer an die französische Privatperson verkauft.
Eine Ausnahme besteht nur, wenn die Lieferschwelle überschritten wird.

3. Der Schweizer Unternehmer Egli bestellt beim deutschen Unternehmer Schmidt einen Tisch. Schmidt liefert den Tisch an Egli aus. Die Lieferung ist in Deutschland umsatzsteuerfrei. In der Schweiz ist die Schweizer Einfuhrumsatzsteuer zu zahlen.

Bei anderen Steuerarten, wie z.B. die Einkommensteuer und der Körperschaftsteuer, wird das Ausland anders definiert: So sind die Insel Helgoland und das Gebiet von Büsingen im Sinne dieser Steuerarten Inland, während sie im umsatzsteuerrechtlich Drittland sind.

Sonderregelungen für Kleinunternehmer
Liefert ein Kleinunternehmer einen Gegenstand in das Ausland, ist diese Lieferung in Deutschland steuerbar, aber steuerfrei. Eine steuerfreie Lieferung ist nicht in die Umsatzgrenzenberechnung mit einzubeziehen. Dadurch können auch erhebliche Lieferumfänge durch einen Kleinunternehmer ausgeführt werden, ohne dass der Kleinunternehmerstatus wegfällt. Im Ausland unterliegt die Besteuerung dieser Ware dem dortigen Steuerrecht. Es kann somit vorkommen, dass sich der Kleinunternehmer im Ausland steuerlich registrieren muss und dort umsatzsteuerpflichtige Umsätze ausführt. Auch in diesem Fall sind die Umsätze nicht in die Grenzberechnung des Kleinunternehmers mit einzubeziehen. Ob eine Registrierung im Ausland notwendig ist und dort durch den Kleinunternehmer Umsatzsteuer zu zahlen sind, ist landesabhängig.

 

Stand: 16.04.2015

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