Differenzbesteuerung

Unter bestimmten Bedingungen besteht die Möglichkeit, nur die Differenz zwischen dem Einkaufspreis und dem Verkaufspreis per Umsatzsteuer zu besteuern.
Hat ein Unternehmer einen Gegenstand von einer Privatperson oder von einem Unternehmer gekauft, der die Umsatzsteuer nicht ausweisen darf, um diesen dann weiter zu verkaufen, entsteht umsatzsteuerlich eine höhere Belastung. Der Unternehmer hat keinen Vorsteuerabzug, da die Privatperson diese nicht ausweisen darf. Verkauft er den Gegenstand, muss aber vom gesamten Verkaufspreis die Umsatzsteuer abgeführt werden.

Beispiel: Der Gebrauchtwarenhändler kauft einen Schrank für 30 Euro von einer privaten Person an und verkauft diesen wieder für 100 Euro in seinem Geschäft.
Aus den 30 Euro kann kein Vorsteuerabzug vorgenommen werden, da die Privatperson nicht umsatzsteuerpflichtig ist und diese Steuer nicht an das Finanzamt abführen muss.
Der Verkauf unterliegt hingegen der Umsatzsteuer. Von den 100 Euro muss der Händler 19 % an das Finanzamt abführen. Das entspricht 15,96 Euro Umsatzsteuer. Nach Abzug des Einkaufspreises von 30 Euro verbleibt ein Gewinn von 54,04 Euro.

Der Händler darf den Gegenstand auch durch die Differenzbesteuerung besteuern. Dafür müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein.

  1. Der Händler muss ein Wiederverkäufer sein.
  2. Der Gegenstand muss im Inland oder im übrigen Gemeinschaftsgebiet erworben worden sein.
  3. Der Gegenstand muss beweglich sein.
  4. Der Gegenstand darf nicht bearbeitet werden. (In einem sehr geringen Umfang darf eine Bearbeitung stattfinden.)
  5. Der Gegenstand muss ohne Umsatzsteuer, von einer Privatperson, einem Kleingewerbetreibenden oder von einem besonderen Unternehmer verkauft worden sein. Auch, wenn der Verkäufer ein Unternehmer ist, der selbst den Gegenstand per Differenzbesteuerung verkauft hat, kann die Differenzbesteuerung angewendet werden. 
  6. Es darf sich nicht um Edelmetalle handeln.

Wendet der Händler die Differenzbesteuerung an, wird nur die Differenz aus Einkaufspreis und Verkaufspreis besteuert.

Anwendung der Differenzbesteuerung: Der Händler kaufte den Artikel für 30 Euro ein und verkaufte diesen für 100 Euro. Nur aus den 70 Euro ist die Umsatzsteuer herauszurechnen und abzuführen. Das entspricht 11,18 Euro. Nach Abzug des Einkaufspreises verbleibt ein Gewinn von 58,82 Euro.

Folgen der Differenzbesteuerung

Der Verkäufer darf die Umsatzsteuer in der Rechnung nicht ausweisen. Das bedeutet für den Käufer, dass er keinen Vorsteuerabzug hat. Ist der Käufer auch ein Unternehmer, der vorsteuerabzugsberechtigt ist, kann auf die Differenzbesteuerung verzichtet werden.

Zusammenfassende Besteuerung

Über die Gegenstände, die per Differenzbesteuerung besteuert werden, muss Buch geführt werden, um die Differenz ermitteln zu können. Das kann einen ganz erheblichen buchhalterischen Aufwand nach sich ziehen, wenn Gegenstände mehrere Jahre nicht verkauft werden könnten. Deshalb gibt es für Gegenstände, die nicht mehr als 500 Euro im Einkauf gekostet haben die Möglichkeit, nur die Differenz aus den Einkäufen und den Verkäufen eines Besteuerungszeitraumes zu versteuern.

Beispiel: Der Second Hand Händler kauft im Februar für 5.600 Euro Waren von Privatpersonen ein. Die Einzeleinkaufspreise lagen alle unter 500 Euro. Im selben Monat verkauft er andere Waren, die er bereits in den Vormonaten gekauft hat und die auch der Differenzbesteuerung unterliegen, zum Gesamtverkaufspreis Wert von 10.000 Euro.
Er darf zusammenfassend besteuern. Nur aus der Differenz des Einkaufs und des Verkaufs des Monats von 4.400 Euro müssen 702,52 Euro Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt werden.

Durch diese Methode muss nicht einzeln Buch geführt werden, welcher Gegenstand wann eingekauft und verkauft wurde, was zu einer Erleichterung führt. Aber: Liegt der Einkaufswert in einem Monat über dem Verkaufswert desselben Monats, kann keine negative Differenz ermittelt werden, wodurch eine Umsatzsteuererstattung erreicht wird. Auch die Übertragung dieses Negativwerts in den Folgemonat ist nicht zulässig.

Beispiel: Der Second Hand Händler kauft im Februar für 5.600 Euro Waren von Privatpersonen ein. Die Einzeleinkaufspreise lagen alle unter 500 Euro. Im selben Monat verkauft er andere Waren, die er bereits in den Vormonaten gekauft hat und die auch der Differenzbesteuerung unterlagen, zum Gesamtverkaufspreis Wert von 2.000 Euro. Erst im Folgemonat verkauft der Händler weiter Waren für 8.000 Euro. In diesem Monat hatte er keine Waren eingekauft.
Durch den Verlust im Februar würde eine Umsatzsteuererstattung entstehen. Diese ist aber nicht zulässig. Der Unternehmer hat keine Umsatzsteuer in diesem Monat zu zahlen.
Im Folgemonat muss er die vollen 8.000 Euro versteuern, da er keine Einkäufe hatte. Dadurch sind 1.277,31 Euro an das Finanzamt abzuführen.

Stand: 18.05.2015

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