Erwerbsschwelle

Kaufen Unternehmer, die selbst ausschließlich steuerfreie Umsätze erbringen, innerhalb der Europäischen Union Waren oder andere Gegenstände ein, wird die Umsatzsteuer durch den ausländischen Verkäufer/Händler in seinem Land abgeführt. Der Kauf wird genauso behandelt, als würde eine Privatperson innerhalb der Europäischen Union einkaufen.

Überschreitet der Unternehmer allerdings die Erwerbsschwelle (12.500 Euro für Deutschland), wird abweichend die Umsatzsteuer des Landes gezahlt, in den der Gegenstand geliefert wird (Bestimmungsland). 

Der ausländische Unternehmer muss die Waren umsatzsteuerfrei verkaufen. In Deutschland wird dann durch den Leistungsempfänger diese Ware versteuert. Dazu müssen der Wert und die darauf entfallene Umsatzsteuer durch den Unternehmer selbst bestimmt und an das zuständige Finanzamt gezahlt werden.

Beispiel: Der deutsche Zahnarzt kauft für seine Praxis in Frankreich bei einem Möbelhaus einen Schrank für 500 Euro (brutto). Weitere Einkäufe im europäischen Gemeinschaftsgebiet sind nicht geplant.
Der Zahnarzt muss die Erwerbschwelle nicht beachten.
Da der Schrank nur 500 Euro gekostet hat, wird die Erwerbschwelle nicht überschritten. Das Möbelhaus verkauft den Schrank inklusive der französischen Umsatzsteuer (20%).

Abwandlung: Der Zahnarzt plant im selben Jahr in Frankreich noch einen neuen Zahnarztstuhl für 200.000 Euro + Umsatzsteuer zu kaufen.
Die Erwerbschwelle wird dadurch überschritten.
Daher ist bereits der Schrank durch das französische Möbelhaus umsatzsteuerfrei zu verkaufen (500 Euro - 20 % französische Umsatzsteuer = 416,67 Euro). In Deutschland muss der Arzt die deutsche Umsatzsteuer an sein Finanzamt abführen (416,67 Euro x 19 % = 79,17 Euro).

Höhe der Erwerbsschwelle

Die Höhe von 12.500 Euro pro Kalenderjahr gilt dann als überschritten, wenn im Vorjahr mehr als 12.500 Euro in Mitgliedstaaten der Europäischen Union erworben wurden oder im laufenden Jahr voraussichtlich diese 12.500 Euro überschritten werden.
Für das laufende Jahr ist der Schätzwert entscheidend. Wird trotz ordentlicher Schätzung diese Wertgrenze nicht eingehalten, kommt es auch danach nicht zu einer Umsatzbesteuerung durch den Erwerber. Erst im Folgejahr gilt dann die Erwerbsschwelle als überschritten. 

Jeder Mitgliedsstaat legt die Höhe der Erwerbschwelle selbst fest.

Option

Wird die Erwerbsschwelle nicht überschritten, kann der Unternehmer (Leistungsempfänger) optieren. Das bedeutet er verzichtet auf die Besteuerung im Ursprungsland. Dann wird die Umsatzsteuer im Bestimmungsland (=dort, wo die Lieferung endet) fällig. Zwar kann ein Unternehmer, der nur umsatzsteuerfreie Umsätze hat, keinen Vorsteuerabzug vornehmen. Trotzdem kann die Option einen Vorteil bringen, wenn die Umsatzsteuersätze in dem Bestimmungsland niedriger sind als im Ursprungsland. Hat der Erwerber optiert, bindet ihn diese Option für zwei Jahre.

Beantragen der USt-ID

Auch Unternehmer, die nur umsatzsteuerfreie Leistungen ausführen oder bei denen die Umsatzsteuer nicht erhoben wird, können eine USt-IDNr. beantragen. Diese wird dann bei Kauf im EU-Gemeinschaftsgebiet dem Verkäufer mitgeteilt. Der Verkäufer liefert die Ware umsatzsteuerfrei. Der Empfänger ist für die Anmeldung und Abführung der Umsatzsteuer zuständig, weil er einen innergemeinschaftlichen Erwerb tätigt.
Unabhängig davon, ob der Unternehmer eine umsatzsteuerfreie Lieferung erhält, ist bei Überschreiten der Erwerbsschwelle die Umsatzsteuer im Bestimmungsland fällig. Steuerpflichtig ist der Empfänger.

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