Geringfügige Beschäftigung im gewerblichen Bereich

Unternehmen haben zwei Möglichkeiten, um Personen geringfügig zu beschäftigen. Diese sind:

  • Geringfügig entlohnte Beschäftigungen mit monatlichem Arbeitsentgelt bis 450 EUR (450 EUR-Jobs)
  • Kurzfristige Beschäftigungen, wenn die Beschäftigung von vornherein auf nicht mehr als zwei Monate oder insgesamt 50 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt ist und nicht berufsmäßig ausgeübt wird.

I. 450 EUR-Job

Abgaben

Bei den 450 EUR-Jobs zahlt der Arbeitgeber    

  • einen Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung von 13 % 
  • einen Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung von 15 %
  • eine Pauschsteuer von 2 %      
  • Umlagen von insgesamt 0,99 %     
  • individuelle Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung.

Der Arbeitnehmer zahlt einen Eigenanteil zur Rentenversicherung (3,9 %).

Verdienstgrenzen

Regelmäßiges monatliches Einkommen
Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das Arbeitsentgelt regelmäßig im Monat 450 EUR nicht übersteigt. Ob diese Entgeltgrenze eingehalten wird, prüft der Arbeitgeber bei Beschäftigungsbeginn vorausschauend für einen 12-Monats-Zeitraum.

Dabei muss mindestens auf das Entgelt abgestellt werden, auf das der Arbeitnehmer einen vertraglichen Anspruch hat. Einmalige Einnahmen, deren Zahlung mit Sicherheit zu erwarten ist (z. B. Weihnachts- oder Urlaubsgeld), sind zu berücksichtigen. Entscheidend ist hier die Höhe des tatsächlich gezahlten Entgelts. Übersteigen die gesamten Einnahmen innerhalb des Jahreszeitraums 5.400 EUR, liegt kein 450 EUR-Job vor, sondern ein Beschäftigungsverhältnis, für das die allgemeinen sozialversicherungsrechtlichen Regelungen gelten.

Beispiel: Eine Verkäuferin verdient 320 EUR im Monat und erhält im Dezember ein vertraglich zugesichertes Weihnachtsgeld von 480 EUR, zusammen 4.320 EUR. Ihr regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt beträgt 360 EUR (4.320 EUR : 12). Es handelt sich somit um einen 450 EUR-Job.

Schwankendes Arbeitsentgelt
Die Entgeltgrenze von 450 EUR muss nicht in jedem Monat zwingend eingehalten werden. Bei schwankendem Arbeitsentgelt z. B. in Saisonbetrieben liegt noch ein 450 EUR-Job vor, wenn innerhalb von 12 Monaten nicht mehr als 5.400 EUR gezahlt werden.

Beispiel: Ein Aushilfskellner erzielt in den Monaten Oktober bis April voraussichtlich monatlich 400 EUR und in den Monaten Mai bis September monatlich 480 EUR.

Berechnung:

Oktober bis April (7 x 400 EUR)= 2.800 Euro 
Mai bis September (5 x 480 EUR) = 2.400 Euro 
Gesamt= 5.200 Euro 

Der monatliche Durchschnittslohn beträgt rund 433 EUR (5.200 EUR : 12 Monate) und übersteigt nicht die Arbeitsentgeltgrenze von 450 EUR. Es liegt ein 450 EUR-Job vor.

Überschreiten der Arbeitsentgeltgrenze
Bei gelegentlichen und unvorhersehbaren Ereignissen kann innerhalb von 12 Monaten die Entgeltgrenze auch bis zu zwei Monaten überschritten werden. Dies ist auch in mehr als zwei Monaten zulässig, wenn die jährliche Verdienstgrenze von 5.400 EUR insgesamt nicht überschritten wird.

Beispiel: Eine Reinigungskraft arbeitet seit Januar für monatlich 200 EUR. Im Mai, Juni und Dezember erhält sie wegen einer Krankheitsvertretung 600 EUR. Im Jahreszeitraum Januar bis Dezember wird die Entgeltgrenze von 450 EUR in mehr als zwei Monaten unvorhergesehen überschritten. Da das erzielte Entgelt innerhalb des Jahreszeitraums mit insgesamt 3.600 EUR die jährliche Verdienstgrenze von 5.400 EUR nicht überschreitet, liegt ein „gelegentliches“ unschädliches Überschreiten vor.

Mehrere Beschäftigungen

450 EUR-Job neben versicherungspflichtiger Hauptbeschäftigung
Arbeitnehmer mit einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung können daneben einen sozialversicherungsfreien 450 EUR-Job ausüben. Jeder weitere 450 EUR-Job wird mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet und ist in der Regel versicherungspflichtig in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung, nicht aber in der Arbeitslosenversicherung.

Beispiel: Ehefrau F ist als Angestellte tätig. Sie hilft außerdem bei ihrem Ehemann im Architekturbüro für 450 EUR pro Monat aus. Dieser 450 EUR-Job bleibt versicherungsfrei. Als die Ehefrau noch einen zweiten 450 EUR-Job für monatlich 200 EUR bei einem Rechtsanwalt aufnimmt, wird dieser Job mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet und ist versicherungspflichtig.

Mehrere 450 EUR-Jobs ohne versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung
Übt ein Arbeitnehmer nur mehrere 450 EUR-Jobs bei verschiedenen Arbeitgebern nebeneinander aus, werden die Arbeitsentgelte zusammengerechnet. Betragen diese monatlich mehr als 450 EUR, besteht für alle Beschäftigungen Versicherungspflicht. Unberücksichtigt bleiben Entgelte aus kurzfristigen Beschäftigungen.

Mehrere Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber
Mehrere Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber werden sozialversicherungsrechtlich als eine Einheit betrachtet.

Sozialversicherung

Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung
Geringfügige Beschäftigungen sind in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei.
Der Arbeitgeber zahlt zur Krankenversicherung einen Pauschalbeitrag von 13 % des Arbeitsentgelts, wenn der Beschäftigte in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist. Für privat oder nicht krankenversicherte 450 EUR-Jobber entfällt der Pauschalbeitrag. Daneben hat der Arbeitgeber  folgende Umlagen zu entrichten: Umlage U1 (Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall) von 0,7 %, Umlage U2 (Mutterschaftsaufwendungen) von 0,14 %, Insolvenzgeldumlage von 0,15 %. 

Rentenversicherung
In der Rentenversicherung besteht grundsätzlich Versicherungspflicht für eine geringfügig entlohnte Beschäftigung,

  • die ab dem 1. Januar 2013 aufgenommen wird und
  • eine bereits vor dem 1. Januar 2013 bestehende geringfügige Beschäftigung, deren monatliches Arbeitsentgelt auf 400,01 EUR bis maximal 450,00 EUR angehoben wurde.

Der Arbeitgeber zahlt einen Pauschalbeitrag von 15 %, der 450 EUR-Jobber trägt einen Eigenanteil in Höhe von 3,9 % (Differenzbetrag zwischen dem allgemeinen Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung von derzeit 18,9 % und dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers von 15 %). Bei einem Verdienst von 450 EUR sind dies 17,55 EUR.

Keine Versicherungspflicht besteht u. a. für Bezieher einer Vollrente wegen Alters, Ruhestandsbeamte, Bezieher einer berufsständischen Altersversorgung und Arbeitnehmer, die bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze nie rentenversichert waren. Der pauschale Arbeitgeberanteil fällt aber auch in diesen Fällen an.

Durch die Zahlung des Eigenanteils von 3,9 % erwerben Arbeitnehmer Pflichtbeitragszeiten in der Rentenversicherung, die u. a. Voraussetzung sind für

  • Ansprüche auf Rehabilitationsleistungen
  • Begründung oder Aufrechterhaltung des Anspruchs auf eine Rente wegen Erwerbsminderung
  • Erfüllung der Zugangsvoraussetzungen für eine private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung  (Riester-Rente)

Mindestbeitrag

An die Rentenversicherung ist monatlich ein Mindestbeitrag von 33,08 EUR (18,9 % von 175 EUR) zu entrichten. Bei einem Entgelt unter 175 EUR entrichtet der Arbeitgeber vom tatsächlichen Arbeitsentgelt Beiträge zur Rentenversicherung in Höhe von 15 %; der Beschäftigte trägt den Restbetrag bis zu dem Mindestbeitrag in Höhe von 33,08 EUR.

Beispiel: Eine Reinigungskraft erhält monatlich 80 EUR. Der Arbeitgeber zahlt den Pauschalbeitrag (15 % von 80 EUR = 12 EUR). Die Reinigungskraft zahlt 21,08 EUR (Differenz zum Mindestbeitrag von 33,08 EUR).

Befreiung von der Rentenversicherungspflicht

Arbeitnehmer können sich von der Zahlung des Eigenanteils befreien lassen, verzichten damit aber auf die genannten Vorteile.
Für die Befreiung ist ein schriftlicher Antrag beim Arbeitgeber zu stellen, der ihn zu den Lohnunterlagen nimmt. Bei mehreren zeitgleichen geringfügig entlohnten Beschäftigungen kann der Antrag nur einheitlich gestellt werden. Hierüber muss der Arbeitnehmer alle Arbeitgeber informieren, bei denen er eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausübt. Die Befreiung kann nicht widerrufen werden.

Die Befreiung wirkt mit Beginn des Monats der Antragstellung, wenn der Arbeitgeber die Befreiung spätestens 6 Wochen nach Erhalt des Antrags der Minijob-Zentrale meldet und diese der Befreiung nicht widerspricht.

Lohnsteuer

Das Arbeitsentgelt von 450 EUR-Jobbern ist stets steuerpflichtig. Die Lohnsteuer kann pauschal oder nach den persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmalen erhoben werden.

Pauschsteuer
Die Pauschsteuer beträgt 2 %. In ihr sind die Lohnsteuer, der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer enthalten. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber für diese Beschäftigung pauschale Beiträge zur Rentenversicherung in Höhe von 15 % entrichtet. Die Pauschsteuer trägt der Arbeitgeber, er kann sie auf den Arbeitnehmer abwälzen.

Pauschale Lohnsteuer von 20 %
Entrichtet der Arbeitgeber keinen Pauschalbeitrag von 15 % an die Rentenversicherung, sondern  reguläre Beiträge, kann er das Entgelt pauschal mit 20 % zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer versteuern.

Besteuerung nach persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmalen
Bei der Besteuerung nach den persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmalen hängt die Höhe des Lohnsteuerabzugs von der Lohnsteuerklasse ab. Bei den Lohnsteuerklassen I bis IV fällt für Arbeitsentgelt bis 450 EUR keine Lohnsteuer an.

Meldungen

Für das Meldeverfahren und den Einzug der pauschalen Sozialabgaben sowie der einheitlichen Pauschsteuer von 2 % ist für alle geringfügig entlohnten Arbeitnehmer die Minijob-Zentrale bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft Bahn See zuständig. Eine Angabe in der Lohnsteueranmeldung des Arbeitgebers erfolgt nicht.
Die Meldungen für geringfügig Beschäftigte sind per gesicherter und verschlüsselter Datenübertragung an die Minijob-Zentrale zu übermitteln.

Hinweis: Neben der Melde- und Beitragspflicht zur Minijob-Zentrale besteht auch eine Melde- und Beitragspflicht zur gesetzlichen Unfallversicherung. Bei dieser bestehen individuelle Beiträge.

II. Kurzfristige Beschäftigungen

Sozialversicherung

Kurzfristige Beschäftigungen sind in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Der Arbeitgeber entrichtet zu diesen Versicherungen keine Pauschalbeiträge. Er hat lediglich die Umlagen U 1 und U 2, die Insolvenzgeldumlage und die Beiträge zur Unfallversicherung zu entrichten.

Lohnsteuer

Das Arbeitsentgelt ist grundsätzlich nach den persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmalen zu versteuern. Der Arbeitgeber kann unter bestimmten Voraussetzungen und bei Verzicht auf die individuelle Lohnsteuererhebung, die Lohnsteuer pauschal mit 25 % des Arbeitsentgelts zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer erheben.

Prüfung

Der Arbeitnehmer hat dem Arbeitgeber zu bestätigen, ob und welche weiteren Beschäftigungen bestehen und auch künftige Änderungen umgehend mitzuteilen. Stellt sich im Nachhinein  heraus, dass die Angaben des Arbeitnehmers unzutreffend waren, haftet der Arbeitgeber für erhöhte Sozialversicherungsbeiträge erst ab dem Zeitpunkt, ab dem ihm eine Meldung des Sozialversicherungsträgers oder der Einzugsstelle vorliegt. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber seiner Verpflichtung, das Versicherungsverhältnis des jeweiligen Arbeitnehmers zu beurteilen, ausreichend nachgekommen ist.

Berechnungsbeispiele (vereinfacht)

  AN gesetzliche KV  AN private KV  AN gesetzliche KV 
    
Arbeitslohn 450,00450,00450,00
RV Arbeitgeber 15 % 67,50 67,50 67,50
KV Arbeitgeber 13 % 58,50  58,50
Pauschale LSt 2% inklusive  KiSt/ SolZ 9,00 9,00 
Umlage U1 0,7 % 3,15 3,15 3,15
Umlage U2 0,14 % 0,63 0,63 0,63
Insolvenzgeldumlage 0,15 % 0,67 0,67 0,67
Belastung des Arbeitgebers 589,45 530,95 580,45
Lohn der Aushilfe  ./. Anteil RV 3,9 % 450,00
17,55

 450,00

17,55

 450,00

17,55

Auszahlungsbetrag  432,50 432,50 432,50
Nettolohn der Aushilfe
Befreiung von RV-Eigenanteil
 450,00 450,00 450,00

 

Kostenloser Download: Geringfügige Beschäftigung im gewerblichen Bereich

 

Stand 27.12.2013

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