Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer ist nur von Gewerbebetrieben zu entrichten. Dazu gehören neben den Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, UG, Limited, …) auch Personengesellschaften und Einzelunternehmen. Personengesellschaften und Einzelunternehmen sind aber nur gewerbesteuerpflichtig, wenn sie einer gewerblichen Tätigkeit nachgehen. Die reine vermögensverwaltende Personengesellschaft oder eine Personengesellschaft, die ausschließlich freiberufliche Tätigkeiten ausführt, ist nicht gewerblich tätig und unterliegt damit auch nicht der Gewerbesteuer.

Berechnung der Gewerbesteuer

Der gewerbesteuerliche Gewinn wird mit 3,5% multipliziert. Darauf wendet die Stadt oder Gemeinde ihren Hebesatz an.

Beispiel: Eine GmbH aus Berlin hat einen gewerbesteuerlichen Gewinn von 100.000 Euro.
Der Gewinn wird mit 3,5% multipliziert (100.000 Euro x 3,5% =) 3.500 Euro. Auf diesen Wert wird der Hebesatz der Stadt Berlin von 410 % angewendet (3.500 Euro x 410 % =) 14.350 Euro Gewerbesteuer. 

Der gewerbesteuerliche Gewinn ist nicht identisch mit dem steuerlichen Gewinn. Der steuerrechtliche Gewinn ist die Ausgangsgröße. Im Gewerbesteuerrecht muss dieser Wert noch um Hinzurechnungen und Kürzungen korrigiert werden.
Zu den Hinzurechnungen gehören anteilige Schuldzinsen, Miet- und Pachtzahlungen, Rentenzahlungen und Gewinnanteile an Mitunternehmer.
Gekürzt werden darf der Gewinn unter anderem um Grundbesitz, der im Betriebsvermögen gehalten wird, und Gewinnanteile aus ausländischen Dividenden. Daraus ergibt sich der korrigierte Gewinn.

Freibeträge in der Gewerbesteuer

Für Personengesellschaften und Einzelunternehmen ist ein Freibetrag von 24.500 Euro auf den Umsatz anwendbar. Unabhängig davon, aus wie viel Gesellschaftern eine Personengesellschaft besteht, liegt der Freibetrag nur bei 24.500 Euro. Kapitalgesellschaften haben keinen Freibetrag. Ausnahmen gibt es für besondere juristische Personengesellschaften, die einen Freibetrag von 5.000 Euro haben.

Berechnungsschema

Gewinn des Gewerbebetriebs
+ Hinzurechnungen
- Kürzungen
= Gewerbeertrag
- Gewerbeverlust aus Vorjahren
= Gewerbeertrag (Der Gewerbeertrag ist auf volle 100 Euro abzurunden.)
- Freibetrag für Einzelunternehmen und Personengesellschaft (24.500 Euro)
= Gewerbeertrag
x Gewerbesteuermesszahl (Der Gewerbeertrag ist mit der Steuermesszahl von 3,5 % zu multiplizieren.)
= Steuermessbetrag

Der Steuermessbetrag wird vom Betriebsfinanzamt an die Gemeinden, in denen die Betriebsstätte liegt, übermittelt. Die Gemeinden und Städte wenden ihren Hebesatz auf diesen Steuermessbetrag an und berechnen die festzusetzende Gewerbesteuer.

Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer und die Körperschaftsteuer

Seit 2008 ist die Gewerbesteuer keine Betriebsausgabe mehr. Das bedeutet, der steuerliche Gewinn wird nicht mehr durch die Gewerbesteuer gemindert. Dadurch erhöht sich die Einkommensteuer der Gesellschafter von Personengesellschaften, Einzelunternehmen und den Gesellschafter von Kapitalgesellschaften. 
Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften kann die Gewerbesteuer auf die persönliche Einkommensteuer angerechnet werden. Die Anrechnung der Gewerbesteuer wirkt sich oft nur teilweise aus.

Kapitalgesellschaften können die Gewerbesteuer nicht anrechnen. Die Gewerbesteuer wird bei der Ermittlung der Körperschaftsteuer wieder hinzugerechnet.

Sonderfall: Gewerbliche durch vermögensverwaltende Personengesellschaft

Wenn eine vermögensverwaltende Personengesellschaft oder eine Personengesellschaft vorliegt, die neben freiberuflichen Tätigkeiten auch gewerbliche Tätigkeiten ausführt, wird die gesamte Gesellschaft mit ihrem kompletten Umsatz gewerbesteuerpflichtig.
Wird nur in einem sehr geringen Umfang eine gewerbliche Tätigkeit zusätzlich durch eine vermögensverwaltende Personengesellschaft oder ein Einzelunternehmen ausgeführt, tritt noch keine Gewerbesteuerpflicht ein. Ein geringer Umfang ist dann gegeben, wenn nur max. 3 % der Gesamtumsätze gewerbliche Einnahmen sind.

Beispiel: Eine GbR besteht aus drei Gesellschaftern. Es werden ausschließlich Wohnungen in einem Wohnkomplex vermietet. Die Mieteinnahmen liegen bei 1.000.000 Euro pro Jahr.
Die GbR ist nicht gewerblich tätig, da sie ausschließlich Vermögensverwaltung betreibt. Sie unterliegt deshalb nicht der Gewerbesteuerpflicht.

Abwandlung: Die GbR eröffnet auf diesem Wohnkomplex einen Kiosk. Die Einnahmen für die Vermietungen liegen unverändert bei 1.000.000 Euro. Zusätzlich erwirtschaftet der Kiosk einen Umsatz von 50.000 Euro.
Die GbR überschreitet die 3 % gewerblicher Einnahmen erheblich. Der gesamte Gewinn der GbR unterliegt dadurch der Gewerbesteuer.

Schließen sich mehrere Freiberufler zu einer Personengesellschaft zusammen, liegt auch kein gewerbliches Unternehmen vor. Wird aber zusätzlich eine Person Gesellschafter, die nicht Freiberufler ist und übersteigen die gewerblichen Einnahmen des Gesellschafters 3 % der Gesamteinnahmen, wird die gesamte Personengesellschaft gewerbesteuerpflichtig.

Sonderfall: gemischte Tätigkeiten gewerblich/freiberuflich

Freiberufler müssen keine Gewerbesteuern zahlen. Werden neben den freiberuflichen Tätigkeiten auch noch gewerbliche Tätigkeiten ausgeführt, müssen die freiberuflichen Einnahmen und Ausgaben von den gewerblichen getrennt werden. Die gewerblichen Einkünfte sind auch bei freiberuflicher Tätigkeit gewerbesteuerpflichtig. Wenn möglich sollten bereits von Anfang an getrennte Bücher geführt werden. 

Beispiel: Der selbstständige Physiotherapeut verkauft auch Pflegeprodukte.

Wird eine gemischte Tätigkeit ausgeführt und es ist keine Trennung möglich, entscheidet das Gesamtbild. Dann sind die gesamten Einkünfte entweder freiberufliche Einkünfte oder gewerbliche Einkünfte.

Beispiel: Der Steuerberater erstellt Steuererklärungen, Jahresabschlüsse und Finanzbuchführungen.
Die Steuererklärungen und Jahresabschlüsse sind freiberufliche Tätigkeiten. Die Erstellung der Finanzbuchführungen sind gewerbliche Tätigkeiten. Allerdings ergänzen sich beide Tätigkeiten und die Finanzbuchführung ist von untergeordneter Bedeutung. Dadurch sind die gesamten Einkünfte freiberufliche Einkünfte. 

Bei Personengesellschaften ist eine Trennung nicht möglich. Werden mehr als 3 % gewerbliche Tätigkeiten ausgeführt, ist die gesamte Personengesellschaft immer gewerbesteuerpflichtig.

Beispiel: Die Physiotherapeuten-GbR verkauft auch Pflegeprodukte.
Liegt der anteilige Umsatz für diese Pflegeprodukte unter 3 %, ist die GbR freiberuflich tätig und muss keine Gewerbesteuern zahlen.
Ist der Umsatzanteil größer als 3 %, wird die gesamte GbR gewerbesteuerpflichtig.

FAQ

Wie erfolgen die Buchungen bei der Gewerbesteuerrückstellung?

Die Gewerbesteuer bleibt trotz der Nichtabziehbarkeit eine betriebliche Steuer. Deshalb sind entsprechende Rückstellungen bzw. Forderungen zu bilden.
Nachfolgend sind die Buchungssätze für die Buchung der Gewerbesteuer im Fall einer Rückstellung, bei einer Überzahlung (Forderung) und bei einer Auflösung aufgeführt (Kontenrahmen SKR03/SKR04).

Zum Bilanzstichtag erfolgt lt. Berechnung eine Rückstellung (Zuführung):

4320/7610 GewSt   an   0956/3030 Rückstellungen GewSt

 

Zum Bilanzstichtag ergibt sich eine Rückforderung:

1540/1435 Forderungen aus GewSt   an   4320/7610 GewSt

 

Bei Zahlung der Gewerbesteuer:

0956/3030 Rückstellung GewSt   an    1200/1800 Bank


Bei Erstattung der überzahlten Gewerbesteuer:

1200/1800 Bank   an   1540/1435 Forderun aus GewSt


Differenzen zwischen Rückstellungsbildung und Zahlung:

Ab dem Veranlagungszeitraum 2008 sind Differenzen bei der Gewerbesteuer nur noch auf den Konten 2281/7641 (SKR 03/04) zu erfassen.

 

Wie werden Vorauszahlungen zur Gewerbesteuer / Körperschaftsteuer gebucht?

Auf die Gewerbe- und Körperschaftsteuer sind vierteljährliche Vorauszahlungen zu leisten, die bei der Berechnung der festzusetzenden Gewerbe- und Körperschaftsteuer nach Ablauf des Veranlagungszeitraums von der für das Kalenderjahr zu zahlenden Gewerbe- oder Körperschaftsteuer abgezogen werden.

Da es sich handelsrechtlich um betriebliche Steuern handelt, sind die Vorauszahlungen Betriebsausgaben / Aufwand.

Es empfiehlt sich, diesen Aufwand auf ein von der festzusetzenden Gewerbe- oder Körperschaftsteuer getrenntes Konto zu buchen, da die Summe der Vorauszahlungen, die in dem Wirtschaftsjahr geleistet wurden, bei der Berechnung der Gewerbe- oder Körperschaftsteuer benötigt wird.

Bei der Körperschaftsteuer handelt es sich um eine Steuer vom Einkommen. Sie darf den steuerlichen Gewinn nicht mindern. Die Aufwandsbuchung muss außerbilanziell dem Gewinn wieder hinzugerechnet werden.

Die Gewerbesteuer stellt steuerlich seit 2008 keine Betriebsausgabe mehr dar und darf den Gewinn damit nicht mindern.

Buchungssätze:

Gewerbesteuervorauszahlung  an   Bank
Körperschaftsteuervorauszahlung   an  Bank

 

 

Wie erfolgt die Berechnung der Gewerbesteuerrückstellung?

Die Gewerbesteuer stellt eine Betriebsausgabe dar, darf steuerrechtlich aber seit 2008 den Gewinn nicht mindern. Eine Rückstellung ist aber weiterhin zu bilden. Außerhalb der Bilanz ist dieser Betrag dem Gewinn wieder hinzuzurechnen. Handelsrechtlich bleibt es bei der Betriebsausgabe.

Schema zur Berechnung der Gewerbesteuerrückstellung/-forderung ab 2008
GewStG
Einkünfte aus Gewerbebetrieb
§ 7
Hinzurechnungen I
§ 8
 
 
100 % der Entgelte für Schulden
§ 8 Nr. 1a
 
+
100 % der Renten und dauernden Lasten
§ 8 Nr. 1b
 
+
100 % der Gewinnanteile stiller Gesellschafter
§ 8 Nr. 1c
 
+
20 % der Miet- und Pachtzinsen (inkl. Leasing) für bewegliche WG des Anlagevermögens
§ 8 Nr. 1d
 
+
50 % der Miet- und Pachtzinsen (inkl. Leasing) für unbewegliche WG des Anlagevermögens
§ 8 Nr. 1e
 
+
25 % der Aufwendungen für die zeitlich befristete Überlassung von Rechten
§ 8 Nr. 1f
 
-
Freibetrag i. H. v. 100.000 €
§ 8 Nr. 1
 
=
Zwischensumme Hinzurechnungen I
 
+
25 % der Zwischensumme Hinzurechnungen I  
 
Hinzurechnungen II
 
+
Gewinnanteile an persönlich haftende Gesellschafter einer KGaA
§ 8 Nr. 4
+
Steuerfreie Gewinnanteile an einer Kapitalgesellschaft bei Beteiligungsquote unter 15 %
§ 8 Nr. 5
+
Anteile am Verlust einer Mitunternehmerschaft
§ 8 Nr. 8
+
Spenden einer Körperschaft i. S. d. § 9 Abs. 1 Nr. 2 KStG (z. B. für mildtätige oder wissenschaftliche Zwecke)
§ 8 Nr. 9
+
Gewinnminderungen bei Anteilen an einer Körperschaft (z. B. durch Teilwertabschreibung)
§ 8 Nr. 10
+
Bestimmte ausländische Steuern
§ 8 Nr. 12
Kürzungen
§ 9
-
1,2 % vom Einheitswert des Grundbesitzes im Betriebsvermögen
§ 9 Nr. 1
-
Gewinnanteile an Mitunternehmerschaften
§ 9 Nr. 2
-
Gewinnanteile an inländischen Kapitalgesellschaften, wenn die Beteiligung mindestens 15 % des Grund- oder Stammkapitals beträgt
§ 9 Nr. 2a
-
Die dem Gewerbebetrieb einer KGaA zugerechneten Gewinnanteile
§ 9 Nr. 2b
-
Gewinnanteile einer ausländischen Betriebsstätte
§ 9 Nr. 3
-
Betriebliche Spenden zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke im Rahmen der Höchstbeträge
§ 9 Nr. 5
-
Gewinnanteile an ausländischen Kapitalgesellschaften bei einer Beteiligung von mindestens 15 %
§ 9 Nr. 7
-
Gewinne aus Anteilen an einer ausländischen Gesellschaften, die nach einem Doppelbesteuerungsabkommen von der Gewerbesteuer befreit sind, wenn die Beteiligung mindestens 15 % beträgt
§ 9 Nr. 8
-
Gewerbeverlust
§ 10a
=
Gewerbeertrag
 
 
Gewerbeertrag abgerundet auf volle 100 €
 
-
Freibetrag 24.500 € (bei natürlichen Personen und Personengesellschaften)
 
=
verbleibender Betrag
 
x
Steuermesszahl 3,5 %
 
=
Steuermessbetrag
 
x
Hebesatz der Gemeinde
 
=
Gewerbesteuerschuld
 
-
Geleistete Vorauszahlungen
 
=
Gewerbesteuer -Rückstellung bzw. -Forderung (wenn Betrag negativ) 
 
 
 

 

Welche Gewinnermittlungsstufen sind bei einer Personengesellschaft zu beachten?

Der Gewinn einer Personengesellschaft ist in zwei Stufen einzuteilen.

  1. Erste Stufe: Der Gewinn wird im Gesamthandsvermögen ermittelt. Hierbei sind steuerlich eventuell Ergänzungsbilanzen mit zu berücksichtigen.
  2. Zweite Stufe: Der Gewinn ist im Sonderbetriebsvermögen der einzelnen Gesellschafter zu ermitteln. Im Ergebnis ist der Gewinn aus dem Gesamthandsvermögen mit den Gewinnen der Sonderbetriebsvermögen zusammenzurechnen und bildet den Gewinn der Personengesellschaft, der u. a. für die Gewerbesteuer maßgebend ist.
Dieser Gewinn ist auf die einzelnen Gesellschafter zu verteilen.
Dabei ist der Gewinn in der Steuerbilanz der Personengesellschaft entsprechend der Gewinnverteilungsabrede auf die Gesellschafter zu verteilen. Die Gewinnanteile der einzelnen Gesellschafter sind um die ihm zuzurechnenden Ergebnisse aus den Ergänzungs- und Sonderbilanzen zu erhöhen.

 

 

Stand: 20.04.2015

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