Investitionsabzugsbetrag

Mit dem Investitionsabzugsbetrag kann der Gewinn in einem Wirtschaftsjahr gemindert werden, wenn in den Folgejahren eine Investition geplant ist. Dadurch lässt sich die Steuerlast ganz erheblich senken, vor allem dann, wenn die Gewinne eines Unternehmens jährlich stark schwanken.

Wird ein Wirtschaftsgut angeschafft, wirkt sich diese Anschaffung erst dann Gewinn mindernd aus, wenn das Wirtschaftsgut im Unternehmen vorhanden ist und abgeschrieben wird. Der Investitionsabzugsbetrag zieht einen Teil dieser Abschreibung bereits in ein Jahr vor, in dem das Wirtschaftsgut noch gar nicht angeschafft wurde aber bereits feststeht, dass eine Investition in den folgenden Jahren vorgenommen wird.
Da der Investitionsabzugsbetrag nur die Abschreibung eines Wirtschaftsguts in ein anderes Jahr verlagert, ist der Gewinn über einen längeren Zeitraum (mehrere Jahre) trotzdem nicht niedriger.

Der Investitionsabzugsbetrag hat nur dann Vorteile, wenn der Gewinn in den Jahren nach der Investition nicht stark ansteigt. Durch die vorgezogenen Abschreibungen vermindern sich die Abschreibungen in den Jahren nach der Anschaffung.

Beispiel: Der Unternehmer Meier hat einen konstanten Gewinn von jährlich 100.000 Euro und schafft in 2011 ein neues Wirtschaftsgut (200.000 Euro) an, welches über 4 Jahre abgeschrieben wird. Der Gewinn sinkt dadurch auf 50.000 Euro.

 

Ohne Investitionsabzugsbetrag

Jahr:     2010     2011     2012     2013     2014
Gewinn vor Abschreibung: 100.000 € 100.000 € 100.000 € 100.000 € 100.000 €
Abschreibung: 0 € 50.000 € 50.000 € 50.000 € 50.000 €
Gewinn: 100.000 € 50.000 € 50.000 € 50.000 € 50.000 €

Das Unternehmen hat einen Gesamtgewinn innerhalb der 5 Jahre von 300.000 Euro.

 

Meier hätte in 2010 bereits einen Investitionsabzugsbetrag bilden können, der 40 % der Anschaffungskosten betragen darf. Dadurch mindert sich der Gewinn in 2010 bereits um 80.000 Euro (200.000 Euro x 40 %). Die Abschreibung ab 2011 verringert sich aber um 20.000 Euro pro Jahr, da das Wirtschaftsgut bereits zu 40 % abgeschrieben ist (200.000 Euro - 40 % = 120.000 Euro).

 

Mit Investitionsabzugsbetrag (IAB)  

Jahr:     2010     2011     2012     2013     2014
Gewinn vor Abschreibung: 100.000 € 100.000 € 100.000 € 100.000 € 100.000 €
Bildung IAB: 80.000 €        
Abschreibung: 0 € 30.000 € 30.000 € 30.000 € 30.000 €
Gewinn: 20.000 € 70.000 € 70.000 € 70.000 € 70.000 €


Der Gewinn ist trotz Bildung des Investitionsabzugsbetrages innerhalb der 5 Jahre nicht geringer. Er beträgt wieder 300.000 Euro.

Der Unternehmer zahlt aber in 2010 für seinen Gewinn erheblich weniger Steuern. In den folgenden Jahren zahlt er dafür mehr Steuern. Es verschafft ihm somit einen kurzfristigen Liquiditätsvorteil.

Besonders, wenn kurzfristig starke Schwankungen des Gewinns auftreten (Gewinnspitzen), können durch den Investitionsabzugsbetrag Steuern gespart werden. 

Um den Investitionsabzugsbetrag bilden zu können, müssen zahlreiche Bedingungen erfüllt werden.

Begünstigte Wirtschaftsgüter

Das Wirtschaftsgut muss fast ausschließlich betrieblich genutzt werden (mindestens zu 90 %). Der Investitionsabzugsbetrag darf nur für bewegliche Wirtschaftsgüter gebildet werden. Das Wirtschaftsgut kann neu aber auch gebraucht sein.
Es muss seiner Funktion nach bezeichnet werden. Es wird damit verhindert, dass ein Investitionsabzugsbetrag gebildet wird, ohne dass eine konkrete Investition geplant ist.

Innerhalb des Wirtschaftsjahres, in dem das Wirtschaftsgut angeschafft wurde und dem darauf folgenden Jahr bestehen Einschränkungen. Das Wirtschaftsgut muss mindestens in dieser Zeit im Unternehmen bleiben. Es darf innerhalb dieser Wirtschaftsjahre auch nicht in eine ausländische Betriebsstätte verbracht werden oder länger als 3 Monate vermietet bzw. unentgeltlich überlassen werden. Das Wirtschaftsgut darf nicht innerhalb dieser Zeit, in das Umlaufvermögen des Unternehmens überführt werden. Auch die Entnahme des Wirtschaftsgutes in das Privatvermögen ist nicht möglich.

Begünstigte Unternehmen

Ein Investitionsabzugsbetrag darf unabhängig von der Unternehmensform gebildet werden. Alle juristischen Personen, natürliche Personengesellschaften und Einzelunternehmen können diesen Gewinn mindernden Abzugsbetrag bilden, wenn die Betriebsgrößenmerkmale eingehalten werden.
Die Bildung darf nur von kleinen und mittleren Unternehmen vorgenommen werden. Kleine und mittlere Unternehmen sind:

  • Gewerbetreibende oder selbständige Betriebe, die ihren Gewinn durch den Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 bzw. 5 Abs. 1 EStG ermitteln (durch eine Bilanz). Das Betriebsvermögen darf nicht über 235.000 Euro liegen.
  • Gewerbetreibende oder selbständige Betriebe, die ihren Gewinn durch Einnahmeüberschussrechnung nach § 4 Abs. 3 EStG ermitteln. Der Gewinn darf nicht über 100.000 Euro liegen.
  • Land- und forstwirtschaftliche Betriebe, deren Wirtschaftswert nicht über 125.000 Euro liegt.

Die Größenmerkmale müssen nur in dem Jahr eingehalten werden, in dem der Investitionsabzugsbetrag gebildet wird.

Anschaffung des Wirtschaftsgutes

Innerhalb von 3 Jahren, nachdem der Investitionsabzugsbetrag gebildet wurde, muss das Wirtschaftsgut angeschafft werden. Findet die Anschaffung nicht oder erst nach den 3 Jahren statt, muss der Investitionsabzugsbetrag rückwirkend wieder aufgelöst werden. Es kommt dadurch zu einer Steuernachzahlung, zu der zusätzlich noch Zinsen gezahlt werden müssen.
Der Investitionsabzugsbetrag darf nicht in dem Jahr gebildet werden, in dem das Wirtschaftsgut angeschafft wird.

Bildung des Investitionsabzugsbetrages

Der Investitionsabzugsbetrag darf höchstens 40 % der geplanten Anschaffungs- oder Herstellungskosten betragen. Ein geringerer Ansatz ist möglich. Maximal dürfen nur 200.000 Euro in dem Wirtschaftsjahr des Abzuges und den vorangegangenen 3 Wirtschaftsjahren gebildet werden. Die Bildung darf nicht auf mehrere Jahre aufgeteilt werden.

Auflösung des Investitionsabzugsbetrages

Wird das Wirtschaftsgut angeschafft, muss der Investitionsabzugsbetrag in diesem Jahr Gewinn erhöhend außer bilanziell hinzugerechnet werden. Gleichzeitig darf eine Sonderabschreibung in Höhe von 40 % erfolgen. Dadurch entsteht eine Gewinnneutralität. 
Da der Investitionsabzugsbetrag auf eine spätere Investition gebildet wird, kommt es regelmäßig dazu, dass die tatsächliche Höhe der Investition von der geplanten abweicht. Es ergeben sich somit drei Möglichkeiten: 

1. Anschaffungs- oder Herstellungskosten stimmen mit der Bildung des IABs überein.
2. Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind geringer als der gebildete IAB.
3. Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind höher als er gebildete IAB.

Beispiel: In 2014 plant der Unternehmer Schröder die Anschaffung einer Drehmaschine in 2015 für 50.000 Euro. Die Nutzungsdauer der Drehmaschine liegt bei 10 Jahren.
Schröder bildet in 2014 einen Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 20.000 Euro (50.000 Euro x 40 % = 20.000 Euro). Diese 20.000 Euro mindern in 2014 seinen Gewinn. Im Januar 2015 schafft Schröder die Drehmaschine tatsächlich an. 

1. Anschaffungs- oder Herstellungskosten stimmen mit der Bildung des IABs überein.

  • In 2015 muss der Investitionsabzugsbetrag wieder aufgelöst werden. Die 20.000 Euro werden dem Gewinn 2015 hinzugerechnet.
  • Sonderabschreibung: Für die Drehmaschine kann aber eine Abschreibung von 40 % der tatsächlichen Anschaffungskosten vorgenommen werden (20.000 Euro). Diese mindert den Gewinn um 20.000 Euro. Dadurch ist der Vorgang in 2015 Gewinn neutral.
  • Laufende Abschreibung: Die verbleibenden 30.000 Euro aus der Anschaffung werden über die restliche Nutzungsdauer abgeschrieben. (Anschaffungskosten 30.000 Euro : Restnutzungsdauer 10 Jahre = jährliche Abschreibung 3.000 Euro)


2. Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind geringer als der gebildete IAB.
Die Drehmaschine wird für nur 40.000 Euro angeschafft.

  • In 2015 muss der Investitionsabzugsbetrag wieder aufgelöst werden. Es werden nur 40 % der tatsächlichen Anschaffungskosten aufgelöst und dem Gewinn hinzugerechnet. (40.000 Euro x 40 % = 16.000 Euro)
  • Korrektur des Investitionsbetrages: Tatsächlich waren die Anschaffungskosten niedriger als zuvor geschätzt. Der Investitionsabzugsbetrag wurde deshalb in 2014 zu hoch gebildet. Rückwirkend für das Jahr 2014 muss der Investitionsabzugsbetrag korrigiert werden. In 2014 wird der Gewinn um 4.000 Euro erhöht.
  • Sonderabschreibung: Für die Drehmaschine kann aber eine Abschreibung von 40 % der tatsächlichen Anschaffungskosten vorgenommen werden (16.000 Euro). Diese mindert den Gewinn um 16.000 Euro. Dadurch ist der Vorgang in 2015 Gewinn neutral.
  • Laufende Abschreibung: Die verbleibenden 24.000 Euro aus der Anschaffung, werden über die restliche Nutzungsdauer abgeschrieben. (Anschaffungskosten 24.000 Euro : Restnutzungsdauer 10 Jahre = jährliche Abschreibung 2.400 Euro)


3. Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind höher als er gebildete IAB.
Die Drehmaschine wird für 60.000 Euro angeschafft.

  • Auflösung des Investitionsabzugsbetrages: In 2015 muss der Investitionsabzugsbetrag wieder aufgelöst werden. Die 20.000 Euro werden dem Gewinn 2015 hinzugerechnet.
  • Sonderabschreibung: Für die Drehmaschine kann aber eine Abschreibung von 40 % der tatsächlichen Anschaffungskosten höchstens jedoch der in 2014 gebildete Investitionsabzugsbetrag vorgenommen werden (20.000 Euro). Diese mindert den Gewinn um 20.000 Euro. Dadurch ist der Vorgang in 2015 Gewinn neutral.
  • Laufende Abschreibung: Die verbleibenden 40.000 Euro aus der Anschaffung werden über die restliche Nutzungsdauer abgeschrieben. (Anschaffungskosten 40.000 Euro : Restnutzungsdauer 10 Jahre = jährliche Abschreibung 4.000 Euro)

Sonderabschreibung von 20 % (§ 7g Abs. 5 EStG)

Erfüllt ein Unternehmen und auch das Wirtschaftsgut die Voraussetzungen für den Investitionsabzugsbetrag, darf zusätzlich eine Sonderabschreibung in Höhe von bis zu 20 % vorgenommen werden. Die Sonderabschreibung ist auch dann möglich, wenn der Investitionsabzugsbetrag nicht in Anspruch genommen wurde.

 

Stand: 08.05.2015

 

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