Kommissionsgeschäft Umsatzsteuer

An einem Kommissionsgeschäft sind der Kommittent und der Kommissionär beteiligt.
Der Kommittent ist der Eigentümer der Ware und überlasst die Ware einem anderen – dem Kommissionär, damit dieser die Ware verkaufen kann.
Ein Kommissionsgeschäft liegt immer dann vor, wenn Waren im eigenen Namen (Kommissionär) aber auf Rechnung eines anderen (Kommittent) ausgeführt werden.
Der Kunde bemerkt deshalb oft gar nicht, dass ein Kommissionsgeschäft vorliegt, weil der Kommissionär dieses nicht angeben muss.
Der Kommissionär muss die Ware so verkaufen, wie sie von dem Kommittenten geliefert wird. Kann die Ware nicht verkauft werden, wird sie an den Kommittenten zurückgegeben.

Es liegen zwei Lieferungen vor. Die erste Lieferung befindet sich zwischen dem Kommittenten und dem Kommissionär. Die zweite Lieferung erfolgt zwischen dem Kommissionär und dem Kunden.

 

 

Die 1. Lieferung gilt erst dann als umsatzsteuerlich ausgeführt, wenn der Kommissionär die Ware an den Kunden verkauft hat. Solange nur die Ware an den Kommissionär übergeben wurde, liegt noch keine steuerbare Lieferung vor und die Umsatzsteuer muss nicht abgeführt werden. Erst wenn die Ware durch den Kommissionär an den Kunden verkauft wird, gelten beide Lieferungen als bewirkt. Die 1. Lieferung ist eine ruhende Lieferung, weil die Ware sich zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht zwischen dem Kommittenten und dem Kommissionär bewegt. Der Ort einer ruhenden Lieferung gilt als dort ausgeführt, wo sich der Gegenstand zum Zeitpunkt des Verkaufs befindet. Damit ist der Ort für den Kommittenten immer dort, wo der Kommissionär sein Unternehmen betreibt. Die Ortsbestimmung ist deshalb so wichtig, weil ein steuerbarer Umsatz nur vorliegt, wenn sich der Ort im Inland befindet.

Die 2. Lieferung ist wie eine normale Lieferung zu behandeln. Sie wird, an dem Ort ausgeführt, an dem der Kunden die Verfügungsmacht über den Gegenstand erhält. Steuerschuldner der Umsatzsteuer für diese zweite Lieferung ist der Kommissionär.

Beispiel: Der Münchner Großhändler Müller liefert einen Fernseher am 01.02.2015 an den Berliner Einzelhändler Schmidt. Schmidt verkauft den Fernseher im eigenen Namen am 15.03.2015 an einen privaten Kunden.

 

 

Durch die Lieferung am 01.02.2015 an den Einzelhändler wird noch keine steuerbare Lieferung ausgeführt. Erst mit dem Verkauf der Ware am 15.03.2015 führen beide Unternehmer jeweils eine Lieferung aus, die in Deutschland steuerbar und steuerpflichtig ist.
Der Ort ist für beide Lieferungen dort, wo der Gegenstand an den Kunden übergeben wird (Berlin).
Der Großhändler (Müller) berechnet in dem Moment des Verkaufes dem Einzelhändler die Warenlieferung und stellt eine Rechnung aus. Damit kann der Einzelhändler (Schmidt) die ihm in Rechnung gestellte Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen.

Ein Kommissionsgeschäft kann auch in Form eines Reihengeschäfts ausgeführt werden. Dabei wird der Gegenstand direkt von dem Kommittenten an den Kunden geliefert. 

Kommissionsgeschäfte bei Kleinunternehmern

Unabhängig davon, ob einer oder beide Beteiligten Kleinunternehmer sind, kann ein Kommissionsgeschäft vorliegen. Bei diesem Beteiligten (dem Kleinunternehmer) ist die Lieferung dann nicht umsatzsteuerpflichtig. Der Umsatz aus einem Kommissionsgeschäft ist in die Umsatzgrenzenberechnung des Kleinunternehmers mit einzubeziehen.

Beispiel: Der Münchner Großhändler Müller liefert einen Fernseher am 04.05.2015 an den Kleinunternehmer Richter in Berlin. Richter verkauft den Fernseher im eigenen Namen an einen Endverbraucher am 15.07.2015.

 

 

 

Auch in diesem Fall liegen zwei Lieferungen vor, die beide steuerbar sind. Die Lieferung 1 ist unverändert zum 15.07.2015 steuerpflichtig und der Kommittent (Großhändler) muss die Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Die 2. Lieferung ist ebenfalls steuerbar. Da der Händler ein Kleinunternehmer ist, muss er keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Er kann aber auch nicht die ihm in Rechnung gestellte Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen.
Ist der Kommittent auch ein Kleinunternehmer, darf dieser die Umsatzsteuer nicht in Rechnung stellen.   

Kommissionsgeschäfte innerhalb der EU

Wird ein Kommissionsgeschäft innerhalb der EU durchgeführt, sind die Regelungen des innergemeinschaftlichen Erwerbs zu beachten. Sind der Kommittent und der Kommissionär nicht im selben Mitgliedsstaat der Europäischen Union ansässig und gelangt der Gegenstand von einem in einen anderen Mitgliedsstaat, liegen ein innergemeinschaftlicher Erwerb und eine innergemeinschaftliche Lieferung vor. Die Lieferung zwischen dem Kommittenten und dem Kommissionär ist eine innergemeinschaftliche Lieferung für den Kommittenten und bereits in dem Moment, in dem die Ware in den anderen Mitgliedsstaat verbracht wurde, steuerbar. Diese Lieferung ist aber im Ausgangsland steuerbefreit. Beim Kommissionär liegt sofort ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor, der sofort steuerbar und auch steuerpflichtig ist. Dem Kommissionär steht aber der Vorsteuerabzug zu.

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