Liebhaberei

Der Steuerpflichtige muss die Absicht besitzen, sein Unternehmen so zu betreiben oder eine Tätigkeit so auszuführen, dass Gewinne erwirtschaftet oder Überschüsse erzielt werden. Besteht diese Absicht nicht, können Verluste steuerlich nicht geltend gemacht werden.

Gewinneinkunftsarten

Zu den Gewinneinkunftsarten gehören Tätigkeiten aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbständiger Arbeit.
Erwirtschaftet der Unternehmer Verluste und hat er das Unternehmen auch nur deshalb gegründet, um diese Verluste steuerlich geltend machen zu können, liegt Liebhaberei vor.

Unterschieden werden muss zwischen Liebhaberei und einem erfolglosen Unternehmer. Der erfolglose Unternehmer hat Gewinnerzielungsabsichten, erzielt aber keine oder nur geringe Gewinne. Entscheidend ist der Totalgewinn einer Gewinneinkunftsart. Der Totalgewinn ist der Gewinn, der von der Gründung bis zur Unternehmensaufgabe bzw. Veräußerung des Unternehmens erzielt wurde. Da in der Anlaufphase eines Unternehmens oft Verluste erzielt werden, kann nicht allein deshalb Liebhaberei durch das Finanzamt unterstellt werden. Werden Verluste über einen längeren Zeitraum erwirtschaftet und der Unternehmer hat keine Änderungen an seinem Konzept vorgenommen, kann fehlende Gewinnerziehungsabsicht unterstellt werden. Die Einstellung der unternehmerischen Tätigkeit, weil ständig Verluste erwirtschaftet wurden, spricht gegen fehlende Gewinnerziehungsabsichten.

Abweichend kann aber auch ein Totalgewinn erwirtschaftet werden und es liegt trotzdem Liebhaberei über einen Zeitraum vor. Die Absicht Einkünfte zu erzielen, kann sich nur auf einen Zeitraum der unternehmerischen Tätigkeit beschränken. Fällt diese Absicht im Laufe der unternehmerischen Tätigkeit weg, liegt ab diesem Zeitpunkt Liebhaberei vor. Genauso kann aus einer Liebhaberei eine unternehmerische Tätigkeit entstehen. Gerade, wenn Hobbys zum Beruf werden, wechselt die Liebhaberei zur unternehmerischen Tätigkeit. Verluste, die während der Ausübung des Hobbys entstanden sind, sind nicht vortragsfähig und wirken sich deshalb steuerlich nicht aus. Wird eine unternehmerische Tätigkeit nur deshalb fortgeführt, um das Unternehmen später unentgeltlich weiter zu geben, können die Verluste ebenfalls nicht anerkannt werden.

Beispiel: Ein Tierarzt betreibt seine Praxis über das Rentenalter hinaus weiter, um diese an seine Tochter zu übergeben, nachdem sie ihr Studium abgeschlossen und die Zulassung als Tierarzt (Approbation) erhalten hat. Die Praxis wird durch den Alteigentümer nur noch für 2 Stunden am Tag betrieben und es entstehen deshalb ausschließlich Verluste.
Die Verluste sind nicht steuerlich geltend zu machen. Hätte der Tierarzt die Praxis weiterbetrieben, mit der Absicht in dieser Zeit Gewinne zu erwirtschaften, wären die Verluste anzuerkennen.

Umsatzsteuer

Das Umsatzsteuerrecht weicht hiervon ab. Um umsatzsteuerpflichtige Vorgänge zu haben, reicht die Wiederholungsabsicht. Eine Gewinnerzielungsabsicht ist nicht nötig. Dadurch kann eine unternehmerische Tätigkeit als Liebhaberei eingestuft sein, aber trotzdem der Umsatzsteuer unterliegen. 

Beispiel: Eine private Person baut Modellboote. Einige der Boote werden danach weiter verkauft. Insgesamt wird kein positiver Gewinn erwirtschaftet.
Es liegt Liebhaberei vor. Die Verluste können einkommensteuerlich nicht geltend gemacht werden. Da aber immer wieder Boote verkauft werden, liegt Wiederholungsabsicht vor. Damit unterliegt diese Privatperson der Umsatzsteuer. Für den Einkauf der Materialien der Boote, die verkauft werden, kann ein Vorsteuerabzug vorgenommen werden. Der Verkauf der Modellboote unterliegt der Umsatzsteuer. Wird nur ein geringer Umsatz erzielt, fallen diese Umsätze in die Kleinunternehmerregelung.

Überschusseinkunftsarten

Zu den Überschusseinkunftsarten gehören Tätigkeiten aus nichtselbständiger Arbeit, Kapitaleinkünfte, Vermietung und Verpachtung und sonstige Einkünfte. Genauso wie bei den Gewinneinkunftsarten ist der Totalüberschuss entscheidend.

Nichtselbständige Arbeit wird dann als Liebhaberei angesehen, wenn aus reinem Interesse oder Geltungsbedürfnis eine Arbeit ausgeführt wird und dadurch Verluste entstehen.
Verluste, die Rentner aus nichtselbständiger Arbeit haben, werden regelmäßig in Liebhaberei um qualifiziert. 

Ausnahme Vermietung und Verpachtung: Bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung ist seit 2012, bei einem Mietzins von weniger als 66 % der ortsüblichen Miete, aufzuteilen. Die Werbungskosten, die auf den zu günstig vermieteten Anteil entfallen, sind nicht mehr als Werbungskosten abziehbar. Deshalb ist bei einer Vermietung und Verpachtung grundsätzlich nicht mehr von Liebhaberei auszugehen, wenn ein Verlust erzielt wird.

 

Stand: 15.12.2015

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