Lieferschwelle

Versendet ein europäischer Unternehmer an eine Privatperson einen Gegenstand oder Ware innerhalb der Europäischen Union, ist die Umsatzsteuer in dem Land zu zahlen, in dem die Lieferung beginnt (Ursprungsland). Überschreitet der Unternehmer allerdings in so einem Fall die Lieferschwelle des Landes, in das geliefert wird, ist die Lieferung in dem Land umsatzsteuerpflichtig, in den der Gegenstand oder die Ware geliefert wird (Bestimmungsland). Diese Sonderregelung wird deshalb auch als Versandhandelsregelung bezeichnet. Jedes Land hat eine eigene Lieferschwelle. In Deutschland liegt diese bei 100.000 Euro. Entscheidend ist der Netto-Warenwert. Wurde die Lieferschwelle im Vorjahr oder im laufenden Jahr überschritten, muss sich der Unternehmer in dem Bestimmungsland registrieren lassen und die Umsatzsteuer abführen.

Beispiel: Ein französischer Unternehmer liefert einen Tisch nach Deutschland an eine Privatperson.

1. Möglichkeit: Lieferschwelle nicht überschritten: Die Lieferung ist in Frankreich zu versteuern. Der französische Unternehmer führt nur die französische Umsatzsteuer von 20 % ab. In Deutschland ist keine Umsatzsteuer abzuführen.

2. Möglichkeit: Lieferschwelle überschritten: Der französische Unternehmer muss in Frankreich keine französische Umsatzsteuer zahlen. In Deutschland unterliegt der Vorgang der Umsatzsteuer. Der französische Unternehmer muss sich in Deutschland registrieren lassen, die deutsche Umsatzsteuer anmelden und abführen.

Diese Sonderregelung wird immer nur dann angewendet, wenn der Unternehmer den Gegenstand oder die Ware selbst versendet oder einen anderen Unternehmer mit der Versendung beauftragt. Holt eine Privatperson den Gegenstand oder die Ware selbst ab, ist immer die Umsatzsteuer in dem Land zu zahlen, in dem der Verkäufer die Ware verkauft hat.

Lieferschwelle der Mitgliedstaaten

Belgien: 35.000 Euro
Bulgarien: 70.000 BGN
Dänemark: 280.000 DKK
Estland: 35.151 Euro
Finnland: 35.000 Euro
Frankreich: 35.000* Euro
Griechenland: 35.000 Euro
Irland:   35.000 Euro
Italien:  35.000 Euro
Kroatien: 270.000 HKR
Lettland: 24.000 LVL
Litauen: 125.000 LTL
Luxemburg: 100.000 Euro
Malta:  35.000 Euro
Niederlande: 100.000 Euro
Österreich: 35.000 Euro
Polen:  160.000 PLN
Portugal: 35.000 Euro
Rumänien: 118.000 RON
Schweden: 320.000 SEK
Slowakei: 35.000 Euro
Slowenien: 35.000 Euro
Spanien: 35.000 Euro
Tschechien:   1.140.000 CZK
Ungarn: 8.800.000 HUF
Vereinigtes Königreich: 70.000 GBP
Zypern: 35.000 Euro

* bis 31.12.2015 100.000 €

Liefert ein Unternehmer an einen anderen Unternehmer innerhalb der EU-Mitgliedstaaten und verwendet der Leistungsempfänger seine USt-Identifikationsnummer, liegt eine innergemeinschaftliche Lieferung vor. Die Lieferung ist in dem Ursprungsland steuerfrei und in dem Bestimmungsland umsatzsteuerpflichtig.

Option

Wird die Lieferschwelle nicht überschritten, kann der Unternehmer einen Antrag in dem entsprechenden Bestimmungsland stellen und sich umsatzsteuerlich registrieren lassen. Der Unternehmer ist zwei Jahre an diesen Antrag gebunden. Der Antrag kann formlos beim zuständigen Finanzamt in dem Bestimmungsland gestellt werden. Eine Option kann immer dann sinnvoll sein, wenn der Steuersatz in dem Bestimmungsland niedriger ist als in dem Ursprungsland.

Sonderregelung für Kleinunternehmer

Selbst relativ große Unternehmen können die Kleinunternehmerreglung anwenden, wenn die Kunden hauptsächlich nicht in Deutschland ansässig sind. Werden Lieferungen an ausländische Unternehmen vorgenommen, liegt regelmäßig eine in Deutschland steuerfreie Lieferung vor, wodurch die Umsatzgrenzen der Kleinunternehmerreglung nicht betroffen sind.  Die Lieferung an Privatpersonen innerhalb der Europäischen Union ist in Deutschland steuerbar und in der Regel auch steuerpflichtig. Damit sind diese Umsätze in die Grenzberechnung der Kleinunternehmerregelung mit einzubeziehen.

Ausnahmen

Werden Neufahrzeuge oder Waren wie Alkohol und Tabakwaren innerhalb der Mitgliedstaaten der EU verkauft, gilt immer das Bestimmungslandprinzip. 

 

Stand: 15.12.2015

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