Neue Fahrzeuge innerhalb der EU

Wird ein neues Fahrzeug innerhalb der EU verkauft und gelangt dieses von einem Mitgliedsstaat in einen anderen, ist immer die Umsatzsteuer in dem Land zu zahlen, in das dieses Fahrzeug eingeführt wurde. Das gilt selbst dann, wenn der Verkauf zwischen Privatpersonen stattfindet. Die Folge ist, dass auch Privatpersonen und Kleinunternehmer Umsatzsteuererklärungen einreichen müssen.

Beispiel: Herr Müller aus Berlin möchte sich ein neues Auto kaufen. Im Internet findet er einen günstigen, fast neuen Pkw in Holland, der von vom Autohaus Peters angeboten wird. Müller kauft den Pkw für 25.000 Euro und fährt damit nach Berlin.
Obwohl Herr Müller eine Privatperson ist, muss er in Deutschland eine Umsatzsteuererklärung einreichen. Das Autohaus Peters verkauft den Pkw in diesem Fall umsatzsteuerfrei. Müller meldet 4.750 Euro (25.000 Euro x 19 %) Umsatzsteuer bei seinem Finanzamt an.

Selbst wenn so ein Verkauf ausschließlich zwischen Privatpersonen stattfindet, muss die Umsatzsteuer angemeldet und abgeführt werden.

Abwandlung: Herr Müller kauft einen fast neuen Pkw in Holland von einer Privatperson (Herrn Hendriks) für 25.000 Euro. Hendriks hatte den Pkw vor 2 Monaten für sich selbst gekauft. Da er überraschend einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt bekommen hat, verkauft er den Pkw wieder.
Auch in diesem Fall muss Herr Müller eine Umsatzsteuererklärung über 4.750 Euro einreichen, weil er einen neuen Pkw in Deutschland eingeführt hat.
Herr Hendriks darf in Holland die Vorsteuer nachträglich abziehen, obwohl er eine Privatperson ist. Deshalb muss Hendriks den Pkw mit dem Nettobetrag von 25.000 Euro verkaufen.

Was gilt als neues Fahrzeug?

 

Das Umsatzsteuerrecht definiert genau, was neue Fahrzeuge sind. Denn selbst wenn ein Fahrzeug nicht mehr ganz neu ist, kann steuerrechtlich ein neues Fahrzeug vorliegen.

  1. Motorbetriebene Landfahrzeuge mit einem Hubraum von mehr als 48 Kubikzentimetern oder einer Leistung von mehr als 7,2 Kilowatt und die nicht mehr als 6.000 Kilometer zurückgelegt haben oder wenn die erste Inbetriebnahme im Zeitpunkt des Erwerbs nicht mehr als sechs Monate zurückliegt;
  2. Wasserfahrzeuge mit einer Länge von mehr als 7,5 Metern, die nicht mehr als 100 Betriebsstunden auf dem Wasser zurückgelegt haben oder wenn die erste Inbetriebnahme im Zeitpunkt des Erwerbs nicht mehr als drei Monate zurückliegt;
  3. Luftfahrzeuge, deren Starthöchstmasse mehr als 1.550 Kilogramm betragen und nicht länger als 40 Betriebsstunden genutzt worden sind oder wenn die erste Inbetriebnahme im Zeitpunkt des Erwerbs nicht mehr als drei Monate zurückliegt.

Erwirbt ein deutscher Unternehmer ein neues Fahrzeug aus einem Land, das zur Europäischen Union gehört, liegt ein normaler innergemeinschaftlicher Erwerb vor. Wird das Fahrzeug von einem Unternehmer erworben, der Kleinunternehmer oder Halbunternehmer ist, hat auch dieser Unternehmer einen innergemeinschaftlichen Erwerb zu versteuern. 

Beispiel: Der selbständige Arzt Schulz aus Deutschland kauft im Autohaus in Österreich einen neuen Pkw für 45.000 Euro. Den Pkw möchte er als Firmenfahrzeug nutzen. Schulz holt den Pkw am 2.1.2015 in Wien ab.
Schulz verbringt den Pkw nach Deutschland und führt damit einen innergemeinschaftlichen Erwerb aus, der in Deutschland steuerpflichtig ist. Dadurch erfolgt der Verkauf für das Autohaus umsatzsteuerfrei.
Schulz muss eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben und 8.550 Euro (45.000 Euro x 19 %) an das deutsche Finanzamt abführen.

 

Stand: 24.04.2015

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