Steuersätze im Umsatzsteuerrecht

Im Umsatzsteuerrecht gibt es den vollen Steuersatz (19 %) und den ermäßigten Steuersatz (7 %). Für land- und forstwirtschaftliche Betriebe besteht die Möglichkeit, ihre Umsätze mit einem Durchschnittssteuersatz zu versteuern.

Ermäßigter Steuersatz

Der ermäßigte Steuersatz wird hauptsächlich auf Lebensmittel erhoben. Jedoch fallen nicht alle Lebensmittel unter diese Steuerbegünstigung. Lebensmittel, die dem Luxusbereich zugeordnet werden (z.B. Langusten, Hummer und Kaviar), sind größtenteils ausgenommen. Auch die meisten Getränke unterliegen nicht dem ermäßigten Steuersatz (Ausnahme: Milchmischgetränke mit mehr als 75% Milch). Achtung: Dies gilt nicht, wenn die Lebensmittel im Restaurant angeboten werden.

Auch einige lebende Tiere unterliegen dem ermäßigten Steuersatz. Zusätzlich sind Produkte, wie z.B. Rollstühle, Prothesen, Holz, Bücher und Zeitschriften vergünstigt zu versteuern. Zeitungen sind aber nur dann dem ermäßigten Steuersatz zu unterwerfen, wenn sie weder jugendgefährdend sind, noch einen hohen Werbeanteil enthalten. Sie müssen hauptsächlich informativ sein.

In der Anlage 2 des Umsatzsteuergesetzes sind alle begünstigen Güter aufgeführt, die dem ermäßigten Steuersatz unterliegen. In der Anlage 2 werden auch Produkte von der ermäßigten Besteuerung ausgeschlossen.
Des Weiteren ist im § 12 Abs. 2 Umsatzsteuergesetz aufgeführt, welche Leistungen außerdem mit dem ermäßigten Steuersatz besteuert werden. So ist z.B. die Vermietungsleistung von Gegenständen mit dem ermäßigten Steuersatz zu versteuern, wenn der Gegenstand selbst beim Verkauf der Ermäßigung unterliegen würde.

Beispiel: Herr Schmidt betreibt ein Orthopädiehaus, er verkauft und vermietet Rollstühle. Der Verkauf unterliegt dem ermäßigten Steuersatz zu 7 % (laufende Nummer 51 der Anlage 2 des Umsatzsteuergesetzes). Damit muss Herr Schmidt die Erlöse für die Vermietung des Rollstuhls auch mit dem ermäßigten Umsatzsteuersatz versteuern.

Voller Steuersatz

Produkte und Dienstleistungen, die nicht dem ermäßigten Steuersatz unterliegen und auch nicht steuerbefreit sind, müssen mit dem vollen Steuersatz besteuert werden.
Besonderheit: Werden Lebensmittel in einem Restaurant angeboten, unterliegen auch diese Leistungen dem vollen Steuersatz. Dagegen wird wiederum der ermäßigte Steuersatz angewendet, wenn das Essen an Imbussbuden erworben wird. Im Einzelfall kann die Abgrenzung hier schwierig sein. 

Steuersätze für land- und forstwirtschaftliche Betriebe

Land- und Forstwirte können die Durchschnittsbesteuerung anwenden. Die Güter und Leistungen werden dann mit 5,5 % (forstwirtschaftliche Erzeugnisse ausgenommen Sägewerkserzeugnisse) bzw. 10,7 % (Sägewerkserzeunisse, Getränke und alkoholische Flüssigkeiten nach Anlage 2 des Umsatzsteuergesetzes; Ausfuhrlieferungen und Auslandsumsätze von diesen Erzeugnisse, die nicht dort aufgeführt sind sowie übirge landwirtschaftliche Umsätze) pauschal besteuert. Ausschließlich die selbst erzeugten Produkte und selbst erbrachten Dienstleistungen dürfen pauschal versteuert werden. Werden zusätzlich Produkte oder Dienstleistungen angeboten, die nicht selbst erzeugt, sondern eingekauft werden,ist der volle oder der ermäßigte Steuersatz anzuwenden.  
Der Vorsteuerabzug erfolgt mit denselben Sätzen, die auf den Verkaufserlös anfallen. Dadurch ergibt sich fast immer eine Zahllast von 0 Euro.

Beispiel: Herr Schmidt hat einen landwirtschaftlichen Betrieb. Er verkauft selbst produzierte Milch für 1.000 Euro (netto). Diese darf er zum Durchschnittssatz von 10,7 % verkaufen (1.000 € x 10,7 % = 107 €). Im Gegenzug darf Herr Schmidt die Vorsteuer über diesen Betrag geltend machen. Die Umsatzsteuerzahllast liegt deshalb bei 0 Euro.
Wendet Herr Schmidt die Durchschnittsbesteuerung an, darf er keine weiteren Vorsteuern aus Rechnungen geltend machen.

Land- und forstwirtschaftliche Betriebe können statt der Durchschnittsbesteuerung auch die Besteuerung mit dem vollem und dem ermäßigten Steuersatz vornehmen. 

Sonderregelung für Kleinunternehmer

Grundsätzlich muss sich der Kleinunternehmer nur in Ausnahmefällen mit den unterschiedlichen Steuersätzen beschäftigen, da keine Umsatzsteuer erhoben wird.
Zur Kalkulation, ob die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden soll, ist der Steuersatz, der auf die Waren und Dienstleistungen erhoben wird, jedoch entscheidend.

 

Stand: 17.04.2015

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