Stundungszinsen

Kann eine Steuer nicht sofort gezahlt werden, kann eine Stundung beim zuständigen Finanzamt beantragt werden. Wird der Stundung zugestimmt, sind Stundungszinsen zu zahlen. Die Stundungszinsen betragen 0,5 Prozent je Monat der gestundeten Steuer.

Beispiel: Herr Maier muss nach einer Betriebsprüfung 30.000 Euro Einkommensteuern nachzahlen. Er beantragt eine Stundung für 3 Monate.
Es fallen monatlich 150 Euro Stundungszinsen an. Insgesamt sind 450 Euro zusätzlich zu den 30.000 Euro Einkommensteuern zu zahlen.

 

Wird der Steuerbescheid nach Ablauf der Stundung geändert, werden die Stundungszinsen nicht angepasst. Das Gleiche gilt für Zahlungen, die vor oder nach den festgelegten Zahlungsterminen geleistet wurden.

Abwandlung: Herr Maier zahlt bereits nach 14 Tagen die gesamten 30.000 Euro an das Finanzamt. Trotzdem sind die Stundungszinsen für die vereinbarten 3 Monate in voller Höhe zu zahlen.


Mit der Stundungsverfügung wird auch der Stundungszins festgesetzt. Liegt unbillige Härte vor, kann der Zins auch herabgesetzt oder ganz erlassen werden.
Die Zinsen fallen bereits ab dem ersten Tag der Stundung an und enden mit Ablauf des Tages, für die die Stundung gewährt wurde. Fällt das Ende einer Stundung auf einen Samstag, Sonntag oder einen Feiertag, verschiebt sich das Ende des Zinslaufs auch.

Ob auf Stundungszinsen verzichtet wird, liegt im Ermessen des Finanzamtes. Das Finanzamt darf nur auf Stundungszinsen verzichten, wenn die Zahlung des gestundeten Steuerbetrages nicht schuldhaft verursacht wurde und Liquiditätsschwierigkeiten vorliegen.
Z. B. kann ein Verzicht auf Stundungszinsen durch Liquiditätsschwierigkeiten erfolgen, die aufgrund von Forderungsausfällen beim Unternehmer entstanden sind.

Kann eine Aufrechnung (Verrechnung) einer Steuer mit einer Steuererstattung nicht stattfinden, weil die Steuererstattung noch nicht festgesetzt wurde, kann auch auf Stundungszinsen verzichtet werden.  
Ob und in welcher Höhe auf Stundungszinsen verzichtet wird, hängt von der Häufigkeit ab, wie oft in der Vergangenheit Stundungen vorgenommen wurden, wie hoch der gestundete Betrag ist und wie lange gestundet werden soll.

Die Stundungszinsen selbst sollen nur den Zinsnachteil des Finanzamtes ausgleichen. Bei anderen Zinsen (z. B. Säumniszuschlag), die vom Finanzamt erhoben werden, soll hingegen der Zinsvorteil ausgeglichen werden, den der Steuerpflichtige durch eine spätere Zahlung hat. Es soll der Wettbewerbsvorteil wieder ausgeglichen werden.
Ob ein Erlass oder eine Herabsetzung von Stundungszinsen zugestimmt wird, ist deshalb nicht von dem Wettbewerbsvorteil abhängig, den der Steuerpflichtige hat.

 

Stand: 15.06.2015

zurück