Umsatzsteuer

Unternehmer, die eine Leistung ausführen, müssen zusätzlich zum Entgelt die Umsatzsteuer in Rechnung stellen.
Die Umsatzsteuer (USt) ist eine indirekte Steuer. Indirekte Steuern werden von anderen bezahlt als denen, die sie abführen müssen. Im Fall der Umsatzsteuer ist der Endverbraucher der Zahlende. Der Endverbraucher muss die Umsatzsteuer aber nicht selbst abführen. Das muss (fast) immer der Unternehmer übernehmen, der die Leistung erbracht hat.

Beispiel: Das Möbelhaus verkauft einen Tisch für 100 Euro. Weil das Möbelhaus dem Kunden die Umsatzsteuer von 19 % in Rechnung stellen muss, müssen aus den 100 Euro 19 % Umsatzsteuer (15,97 Euro) an das Finanzamt abgeführt werden. Der Kunde muss diese 15,97 Euro bezahlen, das Möbelhaus führt dieses Geld an das Finanzamt ab.

Viel häufiger wird der Begriff Mehrwertsteuer statt Umsatzsteuer verwendet. Es handelt sich in Deutschland um dieselbe Steuer.

Umsatzsteuersätze

Es gibt mehrere Umsatzsteuersätze. Die häufigsten sind der volle Steuersatz mit 19 % und der ermäßigte Steuersatz mit 7 %. Land- und Forstwirte können auch 10,7 % oder 5,5 % Umsatzsteuer berechnen.

Vorgang der Besteuerung

In Deutschland besteht ein Allphasen-Umsatzsteuersystem. Das bedeutet: Bei jedem einzelnen Verkauf wird die Umsatzsteuer erhoben. Zwar handelt es sich um eine Steuer, die vom Endverbraucher gezahlt werden soll. Trotzdem muss beim Verkauf zwischen Unternehmern die Umsatzsteuer berechnet werden und der Leistungsempfänger/Käufer zahlt diese. Ein Unternehmer hat jedoch eine Vorsteuerabzugsberechtigung. Bei der Vorsteuer handelt es sich um die Umsatzsteuer, die der Verkäufer in Rechnung gestellt hat und die der Käufer, falls er Unternehmer ist, vom Finanzamt erstattet bekommt.
Wird ein Gegenstand durch mehrere Händler (Zwischenhändler) immer weiter verkauft, muss also jeder Händler die Umsatzsteuer abführen, erhält aber die Vorsteuer (VSt) aus dem Einkauf zurück.

Beispiel: Ein Gegenstand wird produziert und über zwei Zwischenhändler an den Einzelhändler verkauft. Dieser verkauft den Gegenstand dann an den Endverbraucher/Kunden. Jeder Unternehmer möchte 10 € verdienen.

 

 

Hersteller  

 Zwischenhändler   

 Zwischenhändler

Einzelhändler 

Kunde  

Nettopreis

10,00

20,00

30,00

40,00

50,00

USt 19 %         

1,90

3,80

5,70

7,60

9,50

Bruttopreis (Verkaufspreis)         

11,90

23,80

35,70

47,60

59,50

VSt-Abzugsrecht         

     -

1,90

3,80

5,70

kein

Steuerbefreiung

Im Umsatzsteuergesetz gibt es zahlreiche Steuerbefreiungen. Unter anderem sind Leistungen eines Arztes aber auch Vermietungen von Gebäuden steuerbefreit. Durch diese Steuerbefreiungen sollen bestimmte Leistungen nicht durch die Umsatzsteuer für den Endverbraucher verteuert werden.
Hat ein Unternehmer keine umsatzsteuerpflichtigen Umsätze, gilt er im Umsatzsteuerrecht als besonderer Unternehmer oder Halbunternehmer.

Steuererklärung

Die Umsatzsteuererklärung ist jährlich beim Betriebsfinanzamt durch den Unternehmer einzureichen. Zusätzlich muss eine Umsatzsteuervoranmeldung eingereicht werden. Je nachdem, wie viel Umsatzsteuer im Vorjahr gezahlt wurde, ist die Umsatzsteuervoranmeldung monatlich oder vierteljährlich abzugeben.

Wurde im Vorjahr nicht mehr als 1.000 Euro Umsatzsteuer gezahlt, ist keine Umsatzsteuervoranmeldung abzugeben.
Bei einer Zahlung zwischen 1.000,01 Euro und 7.500 Euro muss die Abgabe vierteljährlich erfolgen.
Ab 7.500,01 Euro Umsatzsteuerzahlast im Vorjahr muss die Umsatzsteuervoranmeldung monatlich eingereicht werden.

Unternehmer, die ausschließlich steuerfreie Umsätze haben (besonderer Unternehmer/Halbunternehmer), müssen weder eine Umsatzsteuervoranmeldung noch eine Umsatzsteuererklärung einreichen. Für Kleinunternehmer besteht immer eine Steuererklärungspflicht. 

Umsatzsteuerpflicht bei Privatpersonen

Auch Privatpersonen sind schnell Unternehmer im umsatzsteuerlichen Sinne. Sobald eine Wiederholungsabsicht besteht, unterliegt die Leistung auch der Umsatzsteuer. Das Umsatzsteuerrecht benötigt keine Gewinnerzielungsabsicht, um einen steuerpflichtigen Vorgang auszulösen. Damit sind selbst kleine Geschäfte wie Flohmarktverkäufe steuerbar. Diese bedeutet aber nicht, dass tatsächlich Umsatzsteuer zu zahlen ist. Fast alle privaten Verkäufe fallen unter die Kleinunternehmerregelung.

Einfuhrumsatzsteuer: Führen Privatpersonen Gegenstände in Deutschland ein, die nicht aus der EU stammen, muss Einfuhrumsatzsteuer gezahlt werden. Wurde die Steuer nicht bereits vom Lieferanten gezahlt, muss die Privatperson diese Steuer zahlen.

Neue Fahrzeuge: Eine Besonderheit besteht bei neuen Fahrzeugen, die aus der EU ins Inland gebracht werden. Hierbei sind immer die privaten Käufer und auch Kleinunternehmer verpflichtet, Steuererklärungen abzugeben und Umsatzsteuern zu zahlen.

Sonderregelung für Kleinunternehmer

Kleinunternehmer brauchen sich im Allgemeinen nicht um die Umsatzsteuer kümmern. Nahezu alle Vorgänge eines Kleinunternehmers werden ohne Umsatzsteuer ausgeführt. Trotzdem sollte ein Kleinunternehmer die Vorgänge des Umsatzsteuerrechts kennen, denn nicht immer ist die Kleinunternehmerregelung die günstigere Alternative.

FAQ

Wann wird die Umsatzsteuer in der Steuerbilanz als Aufwand erfasst und wie ist dieser Aufwand als Rechnungsabgrenzungsposten (RAP) zu erfassen?

Erhält der Unternehmer eine Anzahlung, ist diese Brutto einschließlich der Umsatzsteuer als erhaltene Anzahlung zu passivieren. Daneben ist die an das Finanzamt zu entrichtende Umsatzsteuer als Verbindlichkeit auszuweisen.
Die Vereinnahmung wird in voller Höhe als erhaltene Anzahlung erfasst. Daneben wird die an das Finanzamt zu entrichtende Umsatzsteuer als Aufwand erfasst und als Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt passiviert.

Dieser entstehende Aufwand ist der Lieferung oder Leistung zuzuordnen, für die die Anzahlung geleistet wurde. Wird diese Lieferung oder Leistung erst im Folgejahr erbracht, ist in der Steuerbilanz der Aufwand als aktiver Rechnungsabgrenzungsposten zu neutralisieren.

Da handelsrechtlich ein Bilanzierungsverbot besteht, führt dieser Fall zwangsläufig zur Abweichung der Handels- und Steuerbilanz.
Beispiel zur Buchung von erhaltenen Anzahlungen in der Steuerbilanz
Der Unternehmer vereinnahmt in 01 eine Anzahlung i. H. v. 20.000 € + 3.800 € Umsatzsteuer. Die Leistung i. H. v. 100.000 € + 19.000 € Umsatzsteuer wird in 02 erbracht und endgültig abgerechnet.
 Buchung bei Vereinnahmung in 01:
Bank 23.800 €  an    Erhaltene Anzahlungen 23.800 €
Umsatzsteuer auf Anzahlungen 3.800 €  an  Umsatzsteuer 19 % 3.800€
Buchung am Bilanzstichtag 01:
Aktiver RAP   3.800 €                               an   Umsatzsteuer auf Anzahlungen 3.800 €
 Buchung zum Zeitpunkt der Leistung:
Bank 95.200 €   an   Erlöse 19 %  100.000 €
Erhaltene Anzahlungen 23.800 €  an Umsatzsteuer 19 % 19.000 €
Umsatzsteuer 19 %  3.800 €  an  Aktiver RAP 3.800 €
 

 

Wie wird eine Vorsteuerverprobung berechnet?

Die Verprobung der Vorsteuer ist weder gesetzlich vorgeschrieben, noch gehört sie zu den zwingenden Anforderungen der Finanzverwaltung für die Erstellung der Umsatzsteuer-Voranmeldung oder der Umsatzsteuer-Jahreserklärung.
Um zu prüfen, ob bei den Buchungen die korrekte Schlüsselung der Vorsteuer beachtet wurde, kann der Betrag, der als abzugsfähige Vorsteuer ausgewiesen ist, mit den gebuchten Aufwendungen verprobt werden. Dabei kann es sich in aller Regel nur um eine überschlägige Berechnung handeln, die auch häufig vom Finanzamt durchgeführt wird.

Hierzu werden die Nettowerte aller Kostenkonten, die üblicherweise mit 19 % bzw. 7 % Vorsteuer ausgewiesen sind, entsprechend multipliziert. Das Ergebnis sollte mit den entsprechenden Kontensalden "abzugsfähige Vorsteuer 19 %" bzw. "abzugsfähige Vorsteuer 7 %" übereinstimmen.

 

Wie werden USt-Vorauszahlungen bei der Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich gebucht und im Jahresabschluss erfasst?

Die Verprobung der Vorsteuer ist weder gesetzlich vorgeschrieben, noch gehört sie zu den zwingenden Anforderungen der Finanzverwaltung für die Erstellung der Umsatzsteuer-Voranmeldung oder der Umsatzsteuer-Jahreserklärung.
Ist der Unternehmer verpflichtet vierteljährliche oder monatliche Voranmeldungen abzugeben und entsprechende Umsatzsteuervorauszahlungen zu leisten, stellen diese einen sonstigen Vermögensgegenstand dar, der am Jahresende die zu ermittelnde Umsatzsteuerzahllast mindert.
Buchungssatz: USt-Vorauszahlung an Bank
Die am Jahresende noch nicht geleisteten Umsatzsteuervorauszahlungen für bereits abgegebene Umsatzsteuervoranmeldungen sind als sonstige Verbindlichkeiten zu buchen, um die korrekte Umsatzsteuerzahllast zu ermitteln, die der Umsatzsteuerjahreserklärung entspricht.

Buchungssatz: USt-Vorauszahlung an Verbindlichkeiten aus Steuern und Abgaben

 

 

Stand: 27.05.2015

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