Werbungskosten

Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhalt der Einnahmen. Durch den Abzug der Werbungskosten soll sichergestellt werden, dass nur die Netto-Einkünfte durch die Einkommensteuer besteuert werden. Die Netto-Einkünfte sind die Einkünfte, die tatsächlich zur Verfügung stehen, um z. B. den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die Werbungskosten sind abziehbare Aufwendungen, die nur bei den Überschusseinkunftsarten anzuwenden sind. Zu den Überschusseinkunftsarten gehören Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, Einkünfte aus Kapitalvermögen, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und sonstige Einkünfte.
Statt der tatsächlich entstandenen Werbungskosten sind in vielen Fällen nur pauschale Werte abziehbar.
Die Werbungskosten sind von den Kosten der privaten Lebensführung abzugrenzen. Kosten der privaten Lebensführung sind steuerlich nicht zu berücksichtigen, außer sie können in Form von Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden.

Da Werbungskosten die Erwerbung, die Sicherung und den Erhalt der Einnahmen sicherstellen sollen, können nur die Kosten abgezogen werden, die im Zusammenhang mit den jeweiligen Einkunftsarten entstanden sind. Grundsätzlich liegt die Entscheidung bei dem Steuerpflichtigen, welche Aufwendungen getätigt werden. Es kommt nicht darauf an, ob die Werbungskosten notwendig oder üblich sind, um abziehbar zu sein. Allerdings hat der Gesetzgeber Einschränkungen vorgenommen, wenn Kosten nicht zwischen der privaten Lebensführung und den Werbungskosten aufteilbar sind. Bei diesen gemischten Aufwendungen besteht ein Abzugsverbot.

Beispiel: Die Bankangestellte Frau Maier abonniert die Frankfurter Allgemeine, da dort regelmäßig Börsendaten veröffentlicht werden. Gleichzeitig informiert sich Frau Maier in dieser Zeitung über das Weltgeschehen. Der Abzug der Kosten als Werbungskosten ist nicht möglich, weil Frau Maier die Zeitung sowohl privat und auch beruflich nutzt. Auch eine Aufteilung der Kosten ist nicht möglich, da objektiv nicht festgestellt werden kann, wie hoch der private Anteil und berufliche Anteil ist.

Bei bestimmten Kosten, die entstehen können, hat der Gesetzgeber pauschale Abzugsbeträge festgesetzt, damit ein Abzug als Werbungskosten erfolgen kann, ohne dass eine Aufteilung notwendig ist. Zu den pauschalen Abzugsbeträgen gehören z. B. die Pendlerpauschale und die pauschale Kontoführungsgebühr (16 Euro pro Jahr) für die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit.

Hat ein Steuerpflichtiger Aufwendungen, die sowohl Betriebsausgaben und Werbungskosten sind, kann durch Schätzung eine Aufteilung stattfinden. Voraussetzung ist, dass eine Schätzung sachgerecht möglich ist. Außerdem hat der Gesetzgeber bestimmte Werbungskosten als nicht abziehbar festgelegt. 

Werbungskosten können auch dann abgezogen werden, wenn tatsächlich keine Einnahmen erzielt wurden. Hat ein Steuerpflichtiger z. B. Werbungskosten für seine Vermietung und Verpachtung, jedoch keine Einkünfte, weil die Vermietung zwar vorgesehen ist, aber kein Mieter gefunden werden kann, sind die Werbungskosten abziehbar. Hier droht aber die Aberkennung der Kosten, falls Liebhaberei unterstellt werden kann.

Vorweggenommene Werbungskosten

Entstehen Werbungskosten für zukünftige Einkünfte, können diese auch abgezogen werden. Z. B. können Finanzierungskosten für ein Darlehen, das für ein Miethaus aufgenommen wurde bereits abgezogen werden, obwohl noch keine Vermietung stattfindet.

Abzug als Werbungskosten

Der Abzug als Werbungskosten ist nur möglich, wenn diese auch tatsächlich bezahlt wurden. Hat ein anderer die Kosten getragen, kann der Steuerpflichtige diese nicht als Werbungskosten abziehen.
Abzugsfähige Werbungskosten sind in dem Jahr abzuziehen, in denen diese bezahlt wurden.
Die entstandenen Kosten müssen dazu geeignet sein, die eigenen Einkünfte zu sichern oder zu erhalten bzw. um neue Einkünfte zu erwerben. Betreffen die Kosten fremde Einkünfte, ist ein Abzug nicht möglich.

Beispiel: Der angestellte Geschäftsführer Schmidt hat Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Schmidt organisiert privat eine Party für die Mitarbeiter des Unternehmens, zu der auch die Partner der Mitarbeiter eingeladen sind. Es liegt insoweit kein Zusammenhang mit den eigenen Einkünften vor. Der Werbungskostenabzug ist nicht möglich.

Abwandlung: Erhält Schmidt ein gewinn- oder umsatzabhängiges Gehalt und lädt nur die eigenen Mitarbeiter ein, um diese zu motivieren, damit die Einnahmen des Unternehmens steigen, ist auch eine Steigerung seiner Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit zu erwarten. Der Werbungskostenabzug ist möglich.

Pauschale Werbungskosten

In manchen Fällen sieht der Gesetzgeber Pauschalen vor, die anstatt der tatsächlichen Kosten oder zur Vereinfachung angesetzt werden können oder müssen.

Pendlerpauschale: Die Fahrten zur Arbeitsstätte mit dem eigenen Pkw können nur über die Pendlerpauschale (0,30 € je km) angesetzt werden. Es ist nicht möglich, die tatsächlich entstanden Kosten als Werbungskosten anzusetzen.

Kontoführungsgebühren: Auch Kontoführungsgebühren können als Werbungskosten abgezogen werden, soweit diese angefallen sind, um Einkünfte zu erzielen. Ein Arbeitnehmer benötigt üblicher Weise ein Konto, damit das Gehalt überwiesen werden kann. Für Kontoführungsgebühren kann der Steuerpflichtige einen Pauschalbetrag von 16 Euro pro Jahr ansetzen. Es stellt eine Vereinfachung dar, damit eine Aufteilung der privaten und der beruflichen Kontoführungsgebühren unterbleiben kann.

Kosten für Arbeitsmittel: Hat ein Steuerpflichtiger Kosten für Arbeitsmittel, kann er diese in voller Höhe ansetzen. Statt der tatsächlichen Höhe ist auch pauschaler ein Ansatz mit 110 Euro möglich.

Kein Werbungskostenabzug

Erstausbildung: Regelmäßig übersteigen die Werbungskosten in einer Ausbildung oder in einem Studium die Einnahmen. Für die Erstausbildung ist jedoch der Werbungskostenabzug ausgeschlossenen. Bei einer zweiten Berufsausbildung oder einer weiteren Qualifikation sind die Werbungskosten auch dann abziehbar, wenn dadurch ein Verlust einsteht.

Berufskleidung: Kosten für Berufskleidung können nur als Werbungskosten abgezogen werden, wenn die Kleidung ausschließlich dafür geeignet ist, diese beruflich zu verwenden. Auch wenn der Arbeitgeber vorschreibt, dass z. B. Anzüge während der Arbeitszeit zu tragen sind, können die Kosten nicht angesetzt werden, da ein Anzug auch privat getragen werden könnte.

Werbungskostenabzug bei Kapitaleinkünften 

Für Kapitaleinkünfte ist der Werbungskostenabzug nur über den Sparer-Pauschbetrag möglich. Die tatsächlich anfallenden Werbungskosten können nicht abgezogen werden. Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 801 Euro bzw. bei 1.602 Euro bei Zusammenveranlagung.

 

Stand: 30.04.2015

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